Volksparteien sind Gemischtwarenläden

Die Debatte um die Volksparteien ist in vollem Gange. Alte Fahrensleute der Union streiten öffentlich, um die Richtigkeit ihrer Argumente. Einer, dem meine Lieblings-Sonntagszeitung sehr viel Platz für eine redigierte Rede einräumte, will die CDU mit alten Rezepten über Wasser halten über 40 Prozent bringen. Erste Maßnahme: Er schweigt nicht länger. Im Kern hofft er, die alte Stärke würde irgendwie wiederkommen, wenn man nur fest genug daran glaube und die Programme wieder herausholte, die entweder damals schon nicht funktionierten oder zu herben Wahlniederlagen führten.

Meine Meinung: Das wird nichts. 

Auch organisatorisch ist die Union mit Veränderungen konfrontiert. In ihrem Blog #zukunftVolkspartei analysiert die Konrad-Adenauer-Stiftung bzw. Karsten Grabow richtig:

“Wer auch immer über die Zukunftsfähigkeit der Volksparteien nachdenkt, sollte sich nicht der Illusion hingeben, sie könnten zu früherer Organisations-, d.h. vor allem alter Mitgliederstärke zurückfinden.”

“Wir müssen auch akzeptieren, dass sich die Zeiten verändert haben und wir uns nicht in die alten Zeiten zurückträumen können. Neue Fragen verlangen nach neuen zeit- und sachgerechten Antworten”, schaltet sich ein anderer Fahrensmann in die Debatte ein. Leider wurde die Stimme Bernhard Vogels nicht so laut wahrgenommen, wie es nötig gewesen wäre.

CDU Canvassing

CDU Canvassing (derteaser on flickr CC BY-NC-SA 2.0)

Weiter geht Alexander Görlach: Für ihn liegt der konservative Gesellschaftsentwurf am Boden. Ehrlicherweise muss man hinzufügen, dass er den der linken gleich daneben sieht.

Noch eine Krise? Eine Krise in der Krise?

Es reicht nicht, auf die Geschichte zu blicken. Daraus lassen sich für die Zukunft nicht die richtigen Tipps herleiten.

Schaue ich auf die SPD, so sieht man den Versuch, durch Parteireform und neue Partizipationselemente, die nach wissenschaftlicher Meinung auch kein Allheilmittel sind, aus dem Tal um die 25-Prozent-Marke herauszukommen. Selbstkritisch wird dort festgestellt: Wofür steht die SPD? Die Menschen wissen es nicht mehr.

Das mag daran liegen, dass Politik sich im Klein-Klein verliert. Ein Beispiel: Wer kennt das Maligne-Hyperthermie-Syndrom bei Schweinen? Ist das gut oder schlecht? Der Bundestag hat sich in seiner vorletzten Sitzung damit beschäftigt. Die Reden zu diesem Antrag wurden nicht gehalten, sondern zu Protokoll gegeben. Ritualisierte Debatten.

Nüchtern betracht: Nach sechzig Jahren Bundesrepublik und zwanzig Jahren Einheit sind nicht nur die einfachen Dinge geregelt.

Politik ist komplexer als im letzten Jahrtausend. Nur noch für “Zeitreiche” mit Internetkompetenz annähernd durchschaubar.

An der Basis der Union wird nach dem idealen Politiker gesucht: Der Parteiapparat müsse überdacht werden, damit Querdenker und Quereinsteiger eine Chance haben. Bei manchen Kreisverbänden ist das offenbar angekommen.

Für alle andere bleibt die Hoffnung auf mehr Emotionen, da die Union eher einen Mangel an ideologischer Weltverbesserung hat, wie Jens Spahn feststellt. Nach einem Interview mit Wahlforscher Matthias Jung twitterte ich: “Volksparteien sind immer «Gemischtwarenläden». War so, ist so und bleibt hoffentlich so.

Vielleicht ihr bestes und zeitloses Erfolgsrezept.

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2 Reaktionen auf “Volksparteien sind Gemischtwarenläden

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