Ein hörendes oder gehorsames Herz

Der Deutschland-Besuch des Papstes ist vorbei. Der Rummel, die Sicherheitsmaßnahmen, die Großveranstaltungen und die Gottesdienste sind Geschichte. Für viele Katholiken hat die Anwesenheit, die Nähe zum Papst eine besondere Bedeutung. Ich freue mich für sie, wenn die Begegnung mit dem Papst sie ihn ihrem Glauben gestärkt hat. Es ist ein überzeugender Glaubensbeweis, wenn sich überall in Deutschland zehntausende Christen gemeinsam versammeln und beten.

Auch ich bin immer wieder berührt, wenn ich in Gemeinschaft mit anderen meinen Glauben bezeugen kann. Besondere Bedeutung hat für mich jedoch der Vers aus dem Matthäus-Evangelium:

Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen. (Math 18,20)

Das ist das Besondere des evangelischen Glaubens, dass es eben nicht der Kirche bedarf, um seinen Glauben zu bezeugen.

Keiner soll alleine glauben.

Keiner soll alleine glauben. (Michael Panse on flickr.com (CC BY-ND 2.0))

Der deutsche Papst im Lande Luthers brachte kein „ökumenisches Gastgeschenk“ (Papst im Augustinerkloster, PDF) mit, obwohl der Bundestagspräsident in seiner Begrüßungsansprache einen „unübersehbaren Schritt zur Überwindung der Kirchenspaltung“ wünschte. Unübersehbar waren die guten Bekenntnisse zur Ökumene. Der gemeinsame Wortgottestdienst des Papstes mit Präses Schneider und Katrin Göring-Eckardt, die den Papst mit „Bruder in Christus“ und „Bruder Papst Benedikt“ ansprach. Da hat mir meine evangelische Kirche, meine demokratische Kirche wieder ausgesprochen gut gefallen.

Viele Christen hatten auf ein Zeichen zur Öffnung der katholischen Kirche gewartet: Der Zölibat, die Gemeinschaft am Tisch des Herrn mit allen Christen, die Rolle der Frau in der katholischen Kirche, diese und andere Fragen, die zumindest in unserem Land auf eine Antwort warten, wurden vom Papst zurückgewiesen.

Benedikt sieht die Gefahr, dass „die Kirche sich in dieser Welt einrichtet“ und „selbstgenügsam“ wird. Die Kirche müsse „immer wieder auf Distanz zu ihrer Umgebung gehen“ und sich gewissermaßen  „ent-weltlichen“. Er forderte unbedingte Papsttreue.

Ich wünsche ihm „ein hörendes Herz“ oder wie es in der Luther-Übesetzung heißt, ein „gehorsames Herz“. (1. Kön 3,9) Meine feste Hoffnung ist, dass spätestens zum Reformationsjubiläum 2017 ein solches Zeichen vom Heiligen Stuhl ausgeht.

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2 Reaktionen auf “Ein hörendes oder gehorsames Herz

  1. Respekt, da war der Papst in Deutschland und sagte: „Eine vom Weltlichen entlastete Kirche vermag gerade auch im sozial karitativen Bereich den Menschen, den Leidenden wie ihren Helfern, die besondere Lebenskraft des christlichen Glaubens vermitteln.“ Wie recht er hat. Staat und Kirche gehören generell getrennt.

  2. Pingback: Was ist die “Dreieinigkeit”? | Religion24

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