Tausendmal berührt …

An die Jugendliebe, sei es die erste oder eine der ersten, erinnert man sich in besonderer Weise. Klaus Lages „1000 und eine Nacht“ erzählt von gemeinsamer Kindheit, gemeinsamen Erlebnissen, aus denen dann Liebe erwuchs. Ein Lied, das auch ein Stück meines Lebens erzählt. Von einer dieser Jugendlieben handelt auch Steinunn Sigurðardóttirs „Der gute Liebhaber“, das jetzt bei Rowohlt auf deutsch erschienen ist. Bei Karl muss es auch ZOOM gemacht haben, er wusste nicht was geschehen war. Aber er wusste, was ihm fehlte.

Der gute Liebhaber

Buchcover: Der gute Liebhaber (Rowohlt Verlag)

Doch der Reihe nach: Die Frankfurter Buchmesse beherbergt dieses Jahr Island. Grund genug, für den Börsenverein des Deutschen Buchhandels, einen Abend im Berliner Büro zu veranstalten und zwei isländische Autoren einzuladen. Eine von ihnen eben: Steinunn Sigurðardóttir. Ulrich Matthes las in unvergleichlicher Weise aus ihrem Buch vor.

Die Atmosphäre im Berliner Büro des Börsenvereins war sehr persönlich. Man hatte den Eindruck, in das Wohnzimmer der Autoren eingeladen worden zu sein. Ein paar Möbel wurden vorher entfernt und Stehtische aufgestellt, weil man anders dem großen Besucherandrang nicht hätte Herr werden konnte. Wie bei einer Familienfeier – mit gutem isländischen Essen, zu der die gesamte eigene und angeheiratete Verwandtschaft geladen war und sich so zahlreich ankündigte, dass die Wohnung aus allen Nähten platzte. Bei der Familienfeier wäre die reiche Erbtante anwesend, beim Börsenverein war der Grund für viele sicherlich: Ulrich Matthes. Er war jedenfalls die Motivation für meinen Besuch, nicht die charmante Steinunn, die ich bis dahin gar nicht kannte.

Steinunn Sigurðardóttir

Steinunn Sigurðardóttir (© Sebastian Hänel)

Matthes trug eine der Schlüsselszenen des Buches vor. In erster Linie wurde diese wohl ausgewählt, weil sie besonders unterhaltsam geschrieben ist. Die Jugendliebe, die ihn nach nur sieben Wochen hat sitzen lassen, verhindert, dass Karl sich wirklich auf andere Frau einlassen kann. Er verzichtet zwar nicht auf Sex mit anderen Frauen, jedoch kasteit er sich selbst und verzichtet auf das Entscheidende. Er will und wird auf seine Una warten. 17 Jahre. Wüsste ich es nicht von der persönlichen Begegnung im Wohnzimmer des Börsenvereins, spätestens hier wäre mir klar geworden, dass dieses Buch nur eine Frau geschrieben haben konnte.

Die Geschichte der Romanfigur Karl nimmt ein paar unvorhergesehene Wendungen. Ich will nur wenig verraten, schon gar nicht das Ende. So viel sei aber gesagt: Wer das Buch wegen seiner Liebe zu Island kaufen will, wird enttäuscht. Um Island geht es kaum, sondern um die Liebe des Lebens, gleich zweifach. Steinunn, eine außerordentliche Erzählerin, fesselte mich mit den existentiellen Fragen um „Liebe, Verzicht, Verrat, Tod und der alles beherrschenden Zeit“, wie es in einer amazon-Rezension heißt. Und weckte Erinnerungen an meine Jugend, die aber dann doch ganz anders war, als im Roman oder im Lied von Klaus Lage.

Meine Empfehlung: Unbedingt lesen!
Steinunn Sigurðardóttirs „Der gute Liebhaber“

Rowohlt, Hardcover, 224 S., 17,95 €
ISBN 978-3-498-06417-4

Mehr zur Autorin auf ihrer Homepage: http://steinunn.net

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