Männlich, weiß, gut gebildet, mittelalt

habichthorn: „Jedenfalls scheint sich die Einsicht, dass das Schema „männlich, weiß, mittelalt“ nicht nur unfassbar langweilig, sondern auch diskriminierend ist, nur sehr langsam durchzusetzen.“

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Eva (@habichthorn) hat auf politcamp.org eine Debatte angestoßen, an der sich unter anderem auch Claus (@kritikkultur) und ich beteiligt haben. Claus meint, das Netz sei geschlechtslos. Ich plädiere für Pragmatismus. Und stelle noch die Frage, ob das Netz akzeptiert, wenn neue, andere Teilnehmer dazu kommen.

Da sich der Verein PolitCamp leider aufgelöst hat und ich nicht weiß, wie lange die Webseite politcamp.org noch betrieben werden wird, habe ich diesen Artikel von mir aus dem Oktober 2011 hierher gerettet.

DAS NETZ VERÄNDERT SICH. WERDEN WIR ES AKZEPTIEREN?

Ich bin weiß, männlich, ausweislich meines Abiturs und Diploms auch gut gebildet und hoffentlich noch mittelalt. Bei “mittelalt” könnten die wahren Digital Natives noch den größten Lachanfall bekommen. Die: unter 30. Ich: 45.

Eva hat eine Debatte angestoßen, die, wenn man oder frau konsequent sein will, im Ergebnis auf eine Quote hinausläuft. Für Podien, für Vorstände, für alles.

Kann man gut finden, muss man vielleicht auch, wenn man überall einen wirklichen Querschnitt der Gesellschaft abbilden will: Landfrauen – wirklich nichts gegen Landfrauen – zur nächsten Freiheit statt Angst-Demo!

Ich will mich nicht lustig machen über Landfrauen oder Demonstranten. Ich frage mich nur: Muss ich, um diskriminierungsfrei mitreden, mitdenken zu können, – ihr merkt, ich zögere etwas, weil ich den Shitstorm fürchte – muss ich da eine nicht-weiße Frau ohne Schulausbildung sein? Oder wenigstens ein Kriterium erfüllen? Hoffentlich nicht.

Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, bei einem großen Podium auch eine Quotenfrau (oder einen Quotenmann) einzuladen. Dafür kann man ideologische Gründe finden, muss man aber nicht. Es ist einfach angenehmer und hebt die Kritikkultur. Pragmatische Politik fand ich schon immer am besten.

Das Netz verändert sich rasch. Die Eliten, die Gutgebildeten, die Männer und die Mittelalten werden teilweise verdrängt, andere gesellschaftliche Gruppen kommen hinzu und verändern das Netz und seine Teilnehmer. Davon bin ich überzeugt.

Kann sein, dass dann unser Netz etwas anders wird. Werden wir es akzeptieren?

 

Der Beitrag von Christian Soeder auf seinem Blog: Prädikat Quotenfrau

 

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