Geldwäsche und Bundesschatzbriefe: „Weiterhin unzureichende Mitwirkung“

Meinem Sohn wird weiterhin unzureichende Mitwirkung vorgeworfen. Nein, es geht nicht um häusliche Pflichten wie Müllentsorgung, Geschirrspüler ausräumen oder Staubsaugen. Es geht auch nicht um die Schule. Es geht um etwas ganz Großes: Geldwäschebekämpfung, Terrorismusbekämpfung.

Die Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH hatte sich schon im August hervorgetan. Nicht durch einmalige Zinsangebote, sondern durch zwei Briefe, die wir im August erhielten. Zwei von 280.000 Briefen, die im Sommer 2011 an treue Kunden der Bundesschuldenverwaltung zur Terrorismusbekämpfung Legitimationsanforderung verschickt wurden. Nun, mein Blogpost schaffte es in die Stuttgarter Zeitung.

Und zwei Herren vom Kundenkontaktmanagement konnten meine Verärgerung nachvollziehen. Das haben Sie mir jedenfalls geschrieben. Sie gaben vor zu verstehen, dass 13-jährige Kinder in Deutschland keinen Personalausweis besitzen müssen und deshalb auch keine beglaubigte (!) Kopie eines Personalausweises an die Finanzagentur GmbH schicken können. Vom Terrorismus, der mit der Bekanntgabe des Geburtsorts von 280.000 Kleinsparern wirksam bekämpft werden sollte, schrieben sie glücklicherweise nichts.

Alles lesen

Flattr this!

Digitalisierung disruptiv

Sind wir hinreichend auf die Digitalisierung vorbereitet? Sind wir in der Lage zu begreifen, was da auf uns zu kommt? Drüben bei Google+ hat Christoph Kappes eine Diskussion angestoßen. Sollten wir nicht zukünftig von Digitalisierungspolitik oder kürzer von Digitalpolitik sprechen? Das Netz ist nur ein Teil der Veränderungen, die uns in der letzten Jahren erfasst haben. Die Phänomene sind größer.

Ich plädiere aus rein praktischen Erwägungen zunächst beim Begriff Netzpolitik zu bleiben. Man hat sich in Medien und Politik gerade an diesen Begriff gewöhnt, auch wenn er vielleicht nicht alles auf den ersten Blick erfasst. Sagen wir weiter Netzpolitik, meinen aber auch die Digitalisierung oder Algorithmisierung der Gesellschaft, der Politik.

Dahinter liegen jedoch Fragen, die unsere Gesellschaft und auch unsere Volkswirtschaft in ungeahnter Weise verändern. Disruptiv hat Christoph die Veränderungen im c’t-Online-Talk genannt. Was wird zerstört? Ist es Zerstörung oder lediglich Wandel?

Mehr als 30 Kommentare später verlinkt er bei Google+ auf einen spannenden Artikel aus dem Wall Street Journal: Why Software Is Eating The World. Die These: Durch Software verändert sich die Welt. Software verändert die Welt:

The result is a global economy that for the first time will be fully digitally wired.

Perhaps the single most dramatic example of this phenomenon of software eating a traditional business is the suicide of Borders and corresponding rise of Amazon. In 2001, Borders agreed to hand over its online business to Amazon under the theory that online book sales were non-strategic and unimportant. Oops.

Was kann man aus dem Tod der amerikanischen Buchhandelskette Borders, der 19.500 Arbeitsplätze mit sich gerissen hat, lernen? Zunächst einmal ist es für mich relativ normal, dass auch traditionsreiche Unternehmen am Markt nicht bestehen und andere Unternehmen an ihre Stelle treten. Hier aber hat Software, hat die Digitalisierung die Pleite massiv forciert. Borders hat die Digitalisierung ignoriert, sie sogar geleugnet.

Mülltonnen

Ausrangiert.

Alles lesen

Flattr this!