Neiße, Türen geschlossen!

Liebe S-Bahn-Berlin,

seit mehr als 10 Jahren bin ich nun mit Dir unterwegs.

Die schmucken neuen dunkelblauen Wegweiser an meinem S-Bahnhof verzeichnen die S1 und die S85. Die S85 soll von Waidmannslust nach Grünau fahren. Doch sie fährt nicht.

Mein Eindruck: Die S85 ist ein wenig Luxus für Dich, liebe S-Bahn. Auf jedem Bahnhof, auf dem die S85 halten soll, hält auch noch eine andere Linie der S-Bahn. Deshalb müssen die Fahrgäste seit Mitte 2009 auf diesen Luxus verzichten. Ich kann umsteigen und Du fährst einfach woanders lang.

Eine ziemlich lange Zeit schon. Immer wieder werde ich vertröstet, wenn ich bei Dir bzw. dem inoffiziellen S-Bahn-Twitterer @SBahnBerlin nach der S85 frage. Immer wieder neue Dinge, die falsch gelaufen sind, verzögern den “Normalbetrieb”. Die S85 ist damit für mich zum Symbol des S-Bahn-Desasters geworden.

Auch auf den Luxus eines Sitzplatzes musste ich des Öfteren verzichten. Die Bahnen waren kurz, die Fahrgäste trotzdem immer noch zahlreich. Jetzt sind Deine Züge wieder länger, aber es fehlen die Fahrer. Ich habe mich geärgert, war sauer und frustriert.

Da ist viel schief gelaufen in den letzten Jahren. Normalbetrieb gab es nicht erst seit Mitte 2009 nicht mehr. Hinter der Fassade der neuen Züge und der vielen neuen Bahnhöfe gab es offenbar den Wunsch, nicht nur ein nahezu komplett neues Nahverkehrssystem in der Hauptstadt aufzubauen, sondern zusätzlich auch noch den Gewinn zu maximieren. Es wurde auf Verschleiß gefahren und auch Service reduziert.

Dennoch ein ehrliches Bekenntnis: Ich fahre gerne S-Bahn, trotz allem. Ich bewundere, was in den 90ern erreicht worden ist. Trotz allem Gemaule: Berlin hat ein – alles in allem – hervorragendes Verkehrssystem.

Bahnhof Berlin-Gesundbrunnen 1982

Bahnhof Berlin-Gesundbrunnen 1982 (GoettinenFan on flickr (CC BY-NC-ND 2.0))

Ende der 80er war ich häufiger zu Gast in Berlin. S-Bahn bin ich damals nie gefahren. Das machte man nicht, braucht man nicht und wollte man nicht. Diese Haltung hat sich glücklicherweise grundlegend geändert.

Bahnhof Gesundbrunnen im Oktober 2004

Bahnhof Gesundbrunnen im Oktober 2004 (Vintagesound/Wikimedia (CC BY-SA 3.0))

Die S-Bahn ist im Vergleich mit den 80ern auferstanden aus Ruinen. Hoffentlich auch der Zukunft zugewandt.

Dein treuer Fahrgast

P.S. Neiße ist der Funkname der S85.

P.P.S. Vielen Dank an @GoettinenFan für das Foto.

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Antwort zu ZPÜ-Abgaben

Vor einigen Tagen berichtete ich hier, dass jeder von uns Abgaben an die ZPÜ, die Zentralstelle für private Überspielungsrechte, zahlt. Da kommen schon einige Euro pro Haushalt zusammen, wie Peter Tauber vorgerechnet hat.

Audio Cassette

Audio Cassette - Die ZPÜ-Abgabe beträgt 0,0614 € pro Spielstunde (:Duncan on flickr.com (CC BY-NC 2.0)

Bei MediaMarkt und Saturn hatte ich angeregt, diese gesetzlichen Abgaben transparent auszuweisen. Schließlich ist das bei einigen Geräten ein nicht zu vernachlässigender Anteil des Preises. Im Gegensatz zur Audio-Cassette (0,0614€ pro Spielstunde zzgl. 7% MWSt.) beträgt diese bei einem “MP4-Player mit einer Displaygröße ≥ 3 Zoll und ≤ 4 Zoll” schon 15,00 € zzgl. 7% MWSt.

Hier nun die Antwort:

(… ) vielen Dank für Ihre Anfrage bezüglich der ZPÜ-Gebühren.

Eine Ausweisung der ZPÜ-Gebühren als Bestandteil eines Produktpreises ist gesetzlich für den Einzelhandel nicht vorgesehen.

Mit der in unserem Unternehmen üblichen Preisdarstellung sind wir bemüht, die Preise für Verbraucher möglichst transparent und übersichtlich darzustellen. Unserer Meinung würden wir durch ein Überfrachten mit Informationen aber eher das Gegenteil erreichen. Ihrem Wunsch, die ZPÜ-Gebühren bei der Preisauszeichnung aufzuführen können, wir daher leider nicht nachkommen.

Mit freundlichen Grüßen
Media-Saturn Deutschland GmbH
Kundenkommunikation

Schade.

Randbemerkung: Ähnlich hatte schon zuvor Sachar Kriwoj von eplus geantwortet:

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Kürschnergate

Heute kam es in der Mittagszeit zu einer Flut von rund 200 Mails in meinem Posteingang, die nahezu an alle E-Mail-Postfächer im Bundestag (Fraktionen, Abgeordnete und Verwaltung) verschickt wurden.

Kürschnergate im Bundestag

Kürschnergate im Bundestag. Um dieses Buch ging es bei der ersten Rundmail. (Dank an @tokoo für das Foto.)

Auslöser dafür waren im Wesentlichen drei Mails:

  1. Eine Mitarbeiterin der Verwaltung machte mit einer Rundmail an alle (!) im Bundestag bestehenden Verteilerlisten darauf aufmerksam, dass eine Neuauflage des Kürschners Handbuch „Gesetzliche Grundlagen, Geschäftsordnung…“ erschienen sei. Dabei wurden diese Verteilerlisten nicht versteckt (BCC-Feld), sondern waren im AN-Feld der E-Mail deutlich sichtbar für jeden. Die Benutzung des BCC-Feldes wäre hier angeraten gewesen.
  2. Eine Mitarbeiterin, nennen wir sie Babette, des Wahlkreisbüros von Frau Kotting-Uhl (B90/Grüne) antwortete auf diese Mail mittels der „Alle antworten“-Funktion – in der Annahme, die Mail käme von ihren Berliner Kollegen.
  3. Nach 2 Stunden Ruhe verschickt das Büro von Sönke Rix (SPD) einen Link auf einen satirischen Ratgeber, um solche Mails zu vermeiden. Die Lawine kommt ins Rollen.

Eifrige Kollegen verstärken die Welle auf Twitter. Ein Kollege erfindet den Hashtag #kürschnergate. Journalisten beobachten inzwischen Twitter sehr aufmerksam, lerne ich wieder. Die Rhein-Zeitung und das ZDF sind ganz vorne dabei. @indiesemnetz bekommt sogar ein Zitat von Babette. Nach zwei Stunden und einem freundlichen Hinweis des IT-Referats ist alles wieder vorbei.

Ich gehe davon aus, dass dieser Vorfall dazu führt, dass jeder Mitarbeiter sich noch einmal bewusst macht, welche Auswirkungen es hat, wenn man Mails an sehr große Verteiler verschickt.

Wahrscheinlich bekomme ich zukünftig nur noch BCC-Mails von den Kollegen.

Ausgewählte Berichterstattung im Netz:

Ausgewählte Tweets zu #kürschnergate:

Update: Peter Tauber macht berechtigterweise darauf aufmerksam, dass 180 E-Mails am Tag in einem Abgeordnetenbüro nicht ungewöhnlich sind.

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Frohes Neues!

Die Wünsche zum neuen Jahr sind etwas besonders. Niemals sonst wünscht man einem Menschen, von dem man vielleicht nicht mehr weiß, als dass er oder sie gerade ebenfalls im Raum ist, für einen derart langen Zeitraum Glück, Frohsinn und Gesundheit. Üblicherweise beschränken sich solche Wünsche auf viel kürze Zeitabschnitte: Feierabend, den vor uns liegenden Tag oder vielleicht die kommenden Woche.

Flüche richten sich meistens auf den Rest des Lebens oder noch darüber hinaus: bis in alle Ewigkeit. Mit guten Wünschen sind wir offensichtlich zurückhaltender.

Schönen Feierabend!

Einen netten Abend!

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag.

Schönes Wochenende.

Eine erfolgreiche Woche!

In besonderen Situationen reichen die Wünsche auch über die Woche hinaus, dann wenn man sich länger nicht mehr sieht: »Genieße Deinen wohlverdienten Urlaub«, gehört in diese Kategorie.

Manche Zeitabschnitte sind uns keine Herzensangelegenheit.

Noch nie hat mir jemand einen »guten neuen Monat« gewünscht. Oder vielleicht ein schönes Quartal. Gerade beim Monat verwundert dies, da doch der Monat keine künstliche Einteilung der Zeit ist wie die Woche. Die Mondphase und der weibliche Zyklus werden offensichtlich nicht mit guten Wünschen bedacht. Sehr bedauerlich.

Das »frohe neue Jahr« geht mir schon am 3. Januar auf die Nerven, wenn es nicht von Herzen kommt, sondern nur floskelhaft benutzt wird: Das Telefon klingelt. Der Anrufer wirkt gehetzt, weil eine drängendes Anliegen hat. Aber wir haben Anfang Januar, da schreibt der Neujahrs-Knigge vor: “Ein frohes Neues, erst einmal”, schallt es mir entgegen. “Wir hatten ja dieses Jahr noch nicht…”

Was denn, möchte ich fragen. Nein, wir haben noch nicht zusammen Alkohol getrunken, auch noch nicht über Nicht-Anwesende gelästert oder andere intime Dinge gemeinsam getan. Aber schnell merke ich, es geht um etwas ganz anderes als das neue Jahr und wie ich es erleben werde.

@LudwigR stellte neulich die berechtigte Frage, wie lange man jemandem ein »gutes neues Jahr« wünschen darf. Eigentlich immer. Bedingung: Es muss von Herzen kommen. Spätestens ab dem 1. April kann es ein witziger Einstieg in eine lebenslange Freundschaft sein.

Kalender April 2012

Kalender April 2012 (BasketMakers on flickr (CC BY-NC-ND 2.0))

Update: Ich habe den Google+-Post wieder gefunden, der mich zu diesem Text inspirierte.

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Chaos mobil – Dabei will ich doch nur ein PDF lesen!

Ein guter Bekannter schickt mir per E-Mail eine Datei, die “vielleicht von Interesse” für mich ist. Er schreibt an meine dienstliche Mailadresse. Thema und Absender rufen den “Jetzt! Sofort! Haben wollen!”-Instikt wach. Das Ding ist auch nach Dienstschluss so interessant für mich, dass ich mir das un mittelbar ansehen will.

Aufgrund irgendwelcher Inkompatibilitäten zwischen dem Mailserver, Mailprogramm oder Betriebssystem auf der absendenden Seite und dem Exchange-Server, der die Mail entgegen nimmt, geht die Dateiendung verloren. Vielleicht hatte die Datei aber auch gar keine, die Windows versteht.

Ergebnis: ATT1968765.dat (524K) zeigt mir mein Blackberry an. Ein ähnliches Ergebnis auf dem iPad. Beide Endgeräte können die Datei nicht öffnen. Der Blackberry könnte es im Prinzip, weiß aber nicht, mit welcher Anwendung. Das iPad versagt komplett den Dienst. Schmucklose Meldung:

Mail kann diesen Anhang nicht öffnen.
Ich finde keinen Dreh, das Ding wenigstens auf dem iPad irgendwo zu speichern, um dann vielleicht mit dem Allroundtalent Goodreader weiterzukommen.

Ich will an den Inhalt! Jetzt! Sofort! Zunächst probiere ich die Weiterleitung an meine GMail-Adresse, manchmal hilft das. Aber leider wieder nur ATT1968765.dat. Mist.

Der Blackberry kann aber Anlagen auf die eingesetzte Micro-SD-Karte herunterladen. Zum Glück kann man dabei den Dateinamen und die Dateiendung ändern. Endlich kann aus .dat das vermutete .pdf werden.

Es folgt noch eine Warnung, dass die Anlage mit 524 KB sehr groß sei. Hui. 524 KByte sind eine große Datei. Das Gerät rät davon ab, solches zu tun – das könnte viel Geld kosten. Das ist ein berechtigter Einwand, wenn ich mir die Blackberry-Datentarife des Providers so ansehen. Offenbar werden Blackberry-Bits auf ihrem weiten Weg vom Gerät über den Sendemast, den Provider, den Server bei Blackberry und den Enterprise-Server, der zu meinem Gerät gehört, noch irgendwie mit Goldstaub bedampft.
Ich hatte allerdings den Blackberry  in einem WLAN angemeldet. Da fallen 524 KByte nicht weiter auf. Sinnlose Warnung ignoriert, Datei umbenannt und gespeichert. Einigermaßen glücklich.

Lesen ohne Kompatibilitätsprobleme

Lesen ohne Kompatibilitätsprobleme (Harald Link on flickr CC BY-NC-ND 2.0)

Bei einer Größe von mehr als 3MB versagt der Blackberry komplett: Die Anlage überschreitet die für das Herunterladen zulässige Größe von 3,0 MB. Das ist also die mobile Gegenwart 2012.

Doch wie nun die 524KB-große-PDF-Datei auf’s iPad bringen, damit ich den Text bequem lesen kann? Erste Idee: Bluetooth. Doch das iPad versteht sich nicht auf Dateitransfer per Bluetooth, schon gar nicht mit einem Blackberry. Dann eben wieder per Mail. Doch da streikt der Blackberry. Wahrscheinlich zur Beruhigung der sämtlicher Controlling-Stellen in den Unternehmen hat Blackberry dieses Feature gar nicht erst eingebaut. Dateien, die ich auf der Medienkarte habe, kann ich nur per Bluetooth an ein anderes Gerät schicken. E-Mail-Versand nicht vorgesehen.

Droht jetzt das Ende der Geschichte? Lesen vertagt, bis ich den Laptop oder Desktop einschalte? Nein. Eine Idee habe ich noch.

Der Sohn hat ein Android-Smartphone. Per Bluetooth nimmt das Android die Datei vom Blackberry entgegen und kann die Datei auch per E-Mail an mich zurückgeben. Die E-Mail kann ich am iPad öffnen, die Datei mit der jetzt richtigen Endung herunterladen und lesen.

Ich fasse zusammen: Um eine PDF-Datei ohne PDF im Namen mobil komfortabel lesbar zu machen, brauchte ich Blackberry, Apple und Android: Vom Apple Mac per Mail an Windows Exchange, empfangen auf Blackberry, per Bluetooth weiter an Android und von dort wieder an Apple iPad.

Am Ende des Textes stand übrigens der Hinweis, dass der Text auf dem Blog des Autoren veröffentlicht wird. Ich vermute etwas mehr Gelassenheit und weniger Ungeduld zahlen sich zukünftig doch aus.

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Kleine blaue Dackel sind keine lustigen Tiere

Die Frage, wann und ob ein Passwort sicher ist, beschäftigt offenbar nicht viele Leute. Beim Hack des BB-Forums neulich (also 2009) wurden 20.000 Passwörter bekannt. Demnach sind Vornamen als Passwörter sehr beliebt (16%), ebenso Zahlen- und Tastaturkombinationen (14%).

Passwort ist übrigens auch ein sehr beliebtes Passwort (4%). Um es ganz schwierig zu machen für eventuellen Angreifer, variiert man Passwort zu passw0rt. (Der Buchstabe o wurde durch eine Null ersetzt.) Hui. Das ist dann aber schon sehr schwierig zu merken.

Einfacher ist es da schon, dass Passwort mit dem Freund oder der Freundin zu teilen. Das ist in den USA nach einem Bericht der New York Times fast so heiß cool wie Sex vor der Ehe. Ein großer Liebesbeweis – schlecht nur, wenn sich die Beziehung vielleicht mal nicht so entwickelt, wie man es sich erhofft oder wünscht.

Aber was soll man denn nun machen? vH5(?8#%R kann man sich ja nun wirklich nicht merken. Und wenn, dann auch noch mindestens 10 andere Kombinationen für mindestens 10 andere Webseiten, Logins und Geräte. Da haben wohl nur Menschen mit Savant-Syndrom eine wirkliche Chance die Digitalisierung fehlerfrei zu überstehen.

Passwortstärke

Passwortstärke (CC BY-NC 2.5 by xkcd)

Lange Passwörter sind besser als kurze, auch wenn sie wie oben dargestellt zahlreiche kryptische Sonderzeichen enthalten. DasKurzeBraunePferdhuepftueberJEDENschmalenBach ist also sicherer als vH5(?8#%R.

Und eins ist ja auch klar: Das kurze braune Pferd, dass über jeden schmalen Bach hüpft, lässt sich auch viel einfacher mit der Freundin teilen als vH5(?8#%RIaD. Falls diese Modeerscheinung auch nach Deutschland kommt, also nur für den Fall dass….

Wie ich meine Passwörter organisiere? Mal so, mal so. Aber vielleicht sollten meine Passwörter jetzt länger werden: KleineblaueDackelSINDkeinelustigentiere

Rechenzeit eines Brute-Force-Angriffs bei 1 Milliarde Schlüsseln pro Sekunde
Passwortlänge
Zeichenraum 4 Zeichen 5 Zeichen 6 Zeichen 7 Zeichen 8 Zeichen 9 Zeichen 10 Zeichen
26 [a-z] <1 Sekunde <1 Sekunde <1 Sekunde 8 Sekunden 4 Minuten 2 Stunden 2 Tage
52 [A-Z;a-z] <1 Sekunde <1 Sekunde 20 Sekunden 17 Minuten 15 Stunden 33 Tage 5 Jahre
62 [A-Z;a-z;0-9) <1 Sekunde <1 Sekunde 58 Sekunden 1 Stunde 3 Tage 159 Tage 27 Jahre
96 (+Sonderzeichen) <1 Sekunde 8 Sekunden 13 Minuten 21 Stunden 84 Tage 22 Jahre 2.108 Jahre

Tabelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Passwort#Sicherheitsfaktoren

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Die Finger wund wählen

„Wenn zum Mondscheintarif ein Fünfminuten-Gespräch zwischen Flensburg und Freilassing statt wie tagsüber 5,98 nur noch 1,15 Mark kostet, wenn man zum Sonntagstarif zwischen Bonn und Braunschweig für 0,92 Mark statt 48 Sekunden nun viereinhalb Minuten telephonieren darf, wählen sich fernsprechwillige Bundesbürger immer öfter die Finger wund.“

DER SPIEGEL 37/1979

„Die Finger wund wählen“ stammt aus einer Zeit, in der die Telefone noch Wählscheiben hatten. Und in der ich die Telefonnummern der Verwandtschaft noch auswendig wusste. Die Telefonnummer, die wir zu Hause hatten, weiß ich heute noch: 33058. Peter Tauber beschreibt das Phänomen in ganz anderem Zusammenhang.

Fernmeldeverordnung vom 12. Februar 1974

Fernmeldeverordnung vom 12. Februar 1974 (Screenshot: http://www.bgbl.de)

Fernmeldeverordnung von 1974: Für 21 Pfennig konnte man tagsüber 12 Sekunden, nachts 67 1/2 Sekunden telefonieren, sofern die Knotenvermittlungsstelle mehr als 100 km entfernt lag.

Ein solches Telefon habe ich mir zum Schnäppchenpreis bei eBay ersteigert. Die heimische FritzBox versteht sich noch auf das Impulswahlverfahren. Das hatte ich nicht erwartet. So kann ich auch mit einem Wählscheibentelefon von 1987 über einen Voice-over-IP-Anschluss telefonieren. Das satte Klingeln signalisiert kommende Anrufe viel eindringlicher als die Melodien schnurloser Telefone, die sich immer gerade dort befinden, wo man sie nicht vermutet. Ein Telefon mit Schnur ist in seiner Beweglichkeit eingeschränkt. Man weiß immer, wo es ist.

Grünes Wählscheibentelefon von 1987

Grünes Wählscheibentelefon von 1987

Und ich werde bald wieder mehr Telefonnummern auswendig können, ist meine Hoffnung. Wenn nicht, liegt es an meinem Alter und nicht an der Technik.

 

 

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BBC online at #DLF50

Über die Konferenz des Deutschlandfunks zu seinem 50. Geburtstag hatte ich direkt nach der Konferenz bereits einiges aufgeschrieben. Danach folgten zahlreiche weitere Beiträge, die in der Blogschau auf dlf50.org verlinkt sind.

Über den Vortrag von Steve Herrmann hatte ich in meinem ersten Post auch schon kurz geschrieben. Hier nun etwas ausführlicher, mit den Folien und dem Original-Mitschnitt.

Generation Y und X: Online first

In der Altersgruppe bis 40 Jahren konsumiert eine relative Mehrheit Nachrichten der britischen BBC online: rund 30 per Desktop, rund 10 Prozent mobil. Fernsehen und Radio liegen bei dieser Zuschauer- und Zuhörergruppe zwischen 20 und 30 Prozent. Dies berichtete Steve Herrmann beim Geburtstagskongress des Deutschlandfunks.

Steve Herrmann in Köln

Steve Herrmann in Köln (Politik.Medien.Öffentlichkeit. on flickr (CC-BY 2.0))

In Übereinstimmung mit meinem persönlichen Nutzungsverhalten stellten die BBC-Strategen fest: Die Tabletnutzung nimmt am Abend stark zu. Das iPad entwickelt sich neben dem Fernseher als zweites Sofa-Medium.

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Five major shifts – und meine disruptivste

Stecki machte vor kurzem auf dieses kurze Blogpost von Paul Adams aufmerksam, das ich sonst übersehen hätte.

Besonders beeindruckt hat mich Nummer 4 in der Aufzählung.

Technology is driving a large increase in understanding how we make decisions, and it’s not how we assumed.

Die anderen vier Thesen sind eher konsequenter  Ausfluss der Digitalisierung, immer noch beachtenswert und keineswegs selbstverständlich. Aber dieser Satz ist für mich der disruptivste von allen. (Wenn man disruptiv denn steigern kann?!)

Über den muss ich länger nachdenken.

Für den Denglisch-Mix in der Überschrift bitte ich um Entschuldigung.

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Deutschlandfunk – gestern und morgen

Zum 50. Geburtstag des Deutschlandfunks zwei Fundstücke:

DLF-Klangfarben der sechziger und siebziger Jahre

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=IVuXmtYSRzk]

 

 

Eine nicht ganz erstgemeinte Nachrichtenvorschau des Jahres 2012

Die Schlagzeilen des Jahres 2012 (vom 7.1.2012)

Die Schlagzeilen des Jahres 2012 (vom 7.1.2012)

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