Kant und die Netiquette

»Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.«
Immanuel Kant

Damit ist schon alles gesagt – und der Text könnte hier aufhören.

Das wäre unhöflich. Entschuldigung. Ich habe überhaupt nicht erwähnt, worum es gehen soll.

»Was sind Ihre Top 3-Regeln für Kommunikation im Netz?«, fragt die Internet-Enquete in einer Blogparade.

Bevor wir uns der Beantwortung dieser Frage nähern, sollten wir klären, welche Top-3-Regeln der Offline-Kommunikation allgemein anerkannt sind. Es wird schwer werden, da einen allgemeingültigen Konsens zu finden. Zu vielschichtig und zu verschieden sind die kommunikativen Möglichkeiten offline: persönliche Begegnung, Telefongespräch oder Brief – eins zu eins oder eins zu viele.

Noch viele weitere Kombinationen sind denkbar, die sich wiederum fast alle auf das Netz übertragen lassen und sich dort in verschiedenen Formen wiederfinden. Videokonferenz, Chat, E-Mail, Blogpost, Facebook-Nachricht oder Youtube-Video sind nur einige Beispiele von Kommunikation, für die ich ein Offline-Äquivalent finden könnte.

Betrachtet man Netzkommunikation als Aliud zur Offline-Kommunikation, dann müssten tatsächlich besondere Regeln für diese aufgestellt werden. Diese Regeln unterschieden sich von anderen Kommunikationsregeln grundsätzlich in ihrem Wesen.

Netzkommunikation ist effizienter und schneller, aber im Grundsatz nicht anders.

Im Alltag geht nicht jeder in der Schule, am Arbeitsplatz oder in der Freizeit mit seinem Gegenüber immer so um, wie sie selbst behandelt werden will. Das ist bedauerlich, aber menschlich. Wenn wir online sind, uns asynchron, schriftlich und mit elektronischen Hilfsmitteln äußern, dann passieren solche Fehler auch.

Egoismus – nicht nur im Netz

Leistungsdruck, Stress und Egoismus führen dazu, dass immer mehr Rüpel ihre Ellenbogen ausfahren. Das Ich steht über der Gemeinschaft – wer denkt auch noch an die Gesellschaft, wenn er Maximales für’s Ego erreichen will. Jeder sucht sich seine eigene Ideologie, weil die großen ideologischen Streitigkeiten vorüber sind. Menschen können eine Ich-Bezogenheit entwickeln, die sie für andere Menschen schwerer erträglich macht.

Uncle Eph's first and only car on parade

Onkel Eph präsentiert bei dieser Parade seine Einzigartigkeit (Boston Public Library on flickr.com (CC BY-NC-ND 2.0))

Dieser Egoismus lässt sich auch im Netz häufig beobachten. Die eigene Meinung geht über alles und andere haben keine Peilung. Da kann dann auch schnell einmal die eigene Ungeduld in Hass und Missgunst umschlagen.

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Kekstester

Die Butterkekse weckten sofort Kindheitserinnerungen. Zigaretten und Alkohol waren mir ziemlich egal, wenn es im Urlaub oder als Tagesausflug auf »Butterfahrt« ging, bei der die Erwachsenen billig einkaufen und etwas Seeluft schnuppern wollten.

Für mich gab es leckere dänische Butterkekse, die heute als Billigware, beispielsweise als Zugabe im Bürobedarfsversand zu erstehen sind. Nur reichen diese Kekse geschmacklich nicht die Erinnerung der Kindheit heran.

Beim Butterkeks von Hans Freitag ist das anders. Sehr lecker. Echte Butterkekse mit Geschmack. Wie auf der Nordsee vor Rømø.

Butterkekse

Butterkekse wie früher

Die anderen Kekse und Waffeln aus der Mischung Varieté, die ich dieser Tage zum Testen erhielt, sind ebenfalls sehr lecker. Die kleinen Haselnuss-Schnitten sind überragend.

Schoko-Cookies und das Schwarz-weiß-Gebäck schmecken ebenfalls sehr gut. Die mit Schokoüberzug sind nicht so nach meinem Geschmack. Die Kollegen im Büro, die ich auch probieren ließ, glichen meine Abneigung aber problemlos aus. Die Packung »überlebte« nur einen Tag.

Der Hersteller ist die Verdener Keksfabrik Hans Freitag, ein mittelständischer Betrieb aus dem niedersächsischen Verden, den ich ohne seinen Keksblog nicht kennengelernt hätte. Online kann man hier bestellen. Im stationären Handel in Berlin habe die die Produkte noch nicht bewusst gesehen. Kennt jemand Bezugsquellen?

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The Haunted Man

Can we dance upon the tables again?

Wer bei dieser Songzeile jetzt wieder Gitarren-Geklampfe oder mindestens Karnevalmusik erwartet, den muss ich enttäuschen.

Für trübe Herbstabende ist dies genau die richtige Musik. Erinnert ein wenig an Kate Bush aus den 1980er. Sehr viel Stimme, manchmal jedoch zu hoch – die FAZ nennt es Helium-verspielt – wie in »Marilyn«. Ich rede von Bat for Lashes: The Haunted Man

Die Auskopplung Laura ist das pop-igste Stück. Hier in einer Live-Version von BBCtwo.

Ich habe von Musik ungefähr soviel Ahnung wie vom Eierlegen. Die wichtigste Einteilung, die ich vornehme, ist »gefällt mir« oder »gefällt mir nicht«. Bei »gefällt mir« kommt als verschärfte Form »kaufe ich« hinzu. Hier habe ich gekauft. Fast ein wenig schade, dass ich nur noch digital kaufe. Aber über das bemerkenswerte Cover haben schon alle anderen geschrieben.

Zum Kauf empfehle ich die CD oder für ungeduldige die MP3s.

Hier noch ein Stück aus dem Album:

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Fingerabdrücke im Netz

Den Fingerabdruck kann ich freiwillig auf meinem Personalausweis speichern lassen, beim Reisepass muss ich das sogar.

Der Zugriff auf die im Ausweis-Chip gespeicherten biometrischen Daten, d. h. Foto und gegebenenfalls Fingerabdrücke, bleibt ausschließlich den berechtigten behördlichen Stellen zur sicheren Personenkontrolle an Grenzen und im Inland vorbehalten. Dies wird durch technische Maßnahmen sichergestellt.

So das Bundesinnenministerium auf seiner Webseite zum neuen Personalausweis.

Im Internet geben wir immer wieder unseren Fingerabdruck ab. Jeder Browser, jeder Computer hinterlässt einen Fingerabdruck beim Aufruf einer Webseite. Wie einzigartig so ein „Browser Fingerprint“ tatsächlich ist, untersucht Henning Tillmann in seiner Diplomarbeit noch bis zum 15. Dezember 2012.

Hinlänglich bekannt ist, dass die IP-Adresse, die Browser-Version und das verwendete Betriebssystem übermittelt werden. Das ist angesichts der unterschiedlichen Interpretation von HTML bei den verschiedenen Browsern auch dringend nötig. Andernfalls würden die Webseiten mit verschiedenen Browsern noch unterschiedlicher aussehen, als sie das schon jetzt tun.

Aktuell weiß ich: [about-visitor]

Neu war mir aber bis heute, welche Detailinformationen darüber hinaus noch abrufbar sind. Die installierten Schriftarten geben bei mir zum Beispiel darüber Auskunft, dass ich irgendetwas mit der CDU zu tun habe. Wie das? Folgende vier Schriften, die die CDU Deutschlands in ihrem CDUplus-Mitgliedernetz allen Ehrenamtlichen zur Verfügung stellt, befinden sich auf meinem Rechner.

Screenshot CDU-Schriften

Screenshot Browser Fingerprinting nach meinem Aufruf

Nun ist das bei mir eine Tatsache, die öffentlich ohnehin bekannt ist. Aber theoretisch kann das jeder Webseitenbetreiber zusammen mit den von mir besuchten Webseiten speichern. Henning tut das – mit meiner Einwilligung.

Ich will hier keine Angst verbreiten, sondern bin Hennings Ergebnisse gespannt. Auf seiner Projektwebseite sammelt er für eine gute Sache viele Browser-Fingerabdrücke. Jeder sollte bis zum 15.12. mitmachen, damit wir etwas mehr darüber erfahren, wie andere von uns weniger erfahren können.

Hier entlang: bfp.henning-tillmann.de

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Absolute Mehrheit nicht erreicht

War Raabs Sendung „Absolute Mehrheit“ nun eine Karikatur der etablierten Talkshows? Oder so eine Art Piratenpartei der Politik-Talkshow-Welt?

Mein Mashup der Kritiken:

Qualitativ ist sicher noch Luft nach oben, doch die erste Ausgabe von Stefan Raabs Polit-Talkshow „Absolute Mehrheit“ hat schon grandiose Zuschauerzahlen geholt, weiß meedia.de. Das sind die mit Twitter-Tussis. Raab hatte auch so etwas Ähnliches mitgebracht: Peter Limourg, der Telefonjoker des ausgebildeten Metzgers. Für die Zuschauer mit Kurzzeitgedächtnis: Er und Raab haben bereits 2005 und 2009 ähnliche Sendungen zusammen moderiert.

ProSieben ließ Limbourg allerdings nur mäßig animierte Power-Point-Balken vorlesen, die irgendwie mit einer 9live-Ruf-mich-an-Hotline gekoppelt sind. Da schon am Anfang klar ist, dass Limbourg den längsten hat („Senior Vice President Nachrichten und politische Information der ProSiebenSat.1 Media AG„) dürfen auch die rausgewählten Politiker weiter mitdiskutieren. Da nimmt sich Raab den Polittalk-Marathon von Jauchwillplasberg zum Vorbild: Dort sehen wir auch jede Woche die gleichen Gesichter.

Wie immer lassen sich die besten Witze über Leute machen, die nicht da sind. Philipp Rösler gehört in diese Kategorie. War der Einstieg noch gut vorbereitet: „Muss der Rösler weg und wie kann ich Ihnen dabei helfen, Herr Kubicki?„, zeigte sich Raabs kleine Welt in dem unterirdischen Satz: „Wenn Rösler das beim Abendessen sieht, fallen ihm hoffentlich nicht die Stäbchen aus der Hand.“ Spiegel online harnischt: Niemand kritisiert den Moderator für diese Entgleisung, stattdessen versuchen alle, gute Laune zu demonstrieren.

Nico brilliert mit einem weiteren Griff in die TV-Geschichtsbücher: „Es wurde ein Format gewählt, dessen Regelwerk ähnlich wie bei Tutti-Frutti niemand wirklich verstanden hat, nur dass am Ende niemand nackt war.“ Naja, das niemand nackt war, lag nicht am Thema Politik, sondern vermutlich daran, dass die Redaktion nur eine Frau aufs Sofa bringen konnte. In der Mediathek von ProSieben irrlichtete kurzzeitig auch Galileos „Speedwissen Sex“ als „ähnliches Video“ herum.

Doch nicht alle zerreißen die Sendung in Stücke: sueddeutsche.de orakelt: Diese Show könnte ein Publikum dazu bringen, sich mit Politik zu beschäftigen, das sich für diese Themen sonst nicht mal am Rande interessieren würde. 1,28 Millionen der 14- bis 49-Jährigen haben zugesehen. Das sind trotz der deutlich späteren Sendezeit mehr Zuschauer als „Günther Jauch“ vor dem Schirm versammeln konnte.

Wenn „Absolute Mehrheit“ die Piratenpartei der Politik-Talkshow-Welt ist – wie Ingo vermutet, dann haben wir gestern vielleicht die vorletzte Sendung gesehen. Geht es nach Meedia.de, ist der Versuch, der Gattung „Politik-Talkshow“ frisches Leben einzuhauchen, absolut gescheitert.

Einen Wunsch habe ich: Die Menschen, die die Einspieler gemacht haben, sollten unbedingt häufiger Gelegenheit haben, ihr Können zu präsentieren. Bei Plasberg zum Beispiel, meint auch The European.

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Bücher zur Adventszeit

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit

Mit diesem Lied beginnt mein wichtigstes Buch der Advents- und Weihnachtszeit: Das evangelische Gesangbuch.

Der erste Advent ist der Beginn des Kirchenjahres. Die dunkle Jahreszeit hat von uns allen Besitz ergriffen. Nach den traurigen Sonntagen am Ende des Kirchenjahres macht der erste Advent wieder Hoffnung – für mich auch durch dieses Lied.

Das Evangelisches Gesangbuch ist in dieser Form in den 1990er Jahren erschienen. Im Gegensatz zu dem Vorgänger, das ich aus meiner Konfirmandenzeit kenne, sind zahlreiche Lieder hinzugekommen. Die verschiedenen Landeskirchen haben das gemeinsame Grundwerk um Regionalteile ergänzt. In Niedersachsen beispielsweise auch um plattdeutsche Lieder. Meine jetzige Landeskirche, die EKBO, hat auf einen eigenen Regionalteil verzichtet.

Stimmungsvoller Lesegenuss

Stimmungsvoller Lesegenuss (Foto: selileinchen on flickr. com (CC BY-NC-SA 2.0))

Das zweite Buch, das ich empfehlen möchte, ist schon einige Jahre alt, hat aber nichts von seinem Reiz verloren. Es ist noch immer zu haben, auch weil es zeitlose Klassiker enthält. Es ein Vorlesebuch: „Es war eine dunkle und stürmische Nacht“. Es ist erschienen im Gerstenberg Verlag, der mir ebenfalls seit der Kindheit ein Begriff ist. Kein Wunder, kommen wir doch beide aus Hildesheim.

Der kleine Häwelmann von Theodor Storm, die Geschichte von der kleinen Nervensäge, die nie genug bekommen kann, ist meine liebste Vorlesegeschichte. Für Eltern eine unglaubliche Entspannung, diese Geschichte den Kindern vor der Nachtruhe vorlesen zu können.

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Generation Golf am 9. November

Der 9. November, der Tag des Mauerfalls, steht bevor. Ein bewegender Tag in der deutschen Geschichte.

Die Mauer war für mich bis zum 9. November 1989 immer ein Bestandteil meines Lebens. Auch für mich als geborener Wessi aus dem sogenannten Zonenrandgebiet.

Claus hat neulich über die dritte Generation Ost geschrieben.

Wenn ich seine Zeitrechnung übernehme, wäre ich ein Mitglied der dritten Generation West. Bekannt geworden sind wir aber unter dem Namen Generation Golf. Nach der Wikipedia prägen diese Generation „eine materiell sorgenfreie Jugend und das vorherrschende System der omnipotenten, aber nicht polarisierenden Volksparteien.“ Das Buch gibt es immer noch. Florian Illies: Generation Golf

Zonenrandgebiet hieß aber auch, dass man leichter als andere über den Grenzübergang Marienborn die Verwandtschaft auf der anderen Seite des Stacheldrahtzauns besuchen konnte. Für mich als Stadtkind hieß das Besuch auf dem Land. Unbefestigte Straßen, riesige Kuhställe und ein stinkendes Plumsklo. Ein Kulturschock, den ich als Zehnjähriger nicht bereit war, länger als ein Wochenende auszuhalten.

Bei späteren Besuchen fiel mir die überdurchschnittliche Trinkfestigkeit auf. Und die An- und Abmeldeprozeduren beim Volkspolizeikreisamt sowie der Umstand, dass der Sohn der Familie nicht auf Heimaturlaub von der NVA kommen durfte, wenn die Westverwandtschaft zu Besuch kam.

Innerdeutsche Grenze

Innerdeutsche Grenze zwischen Thüringen und Hessen (Foto: Heinz-Josef Lücking CC BY-SA 3.0)

Dennoch: So richtig mitbekommen, was im Osten unseres Landes passierte, habe ich nicht. Vom DDR-Fernsehen, das bei uns zu Hause notfalls auch ohne Antenne zu empfangen war, ist mir aus der Kindheit lediglich das Sandmännchen, Pittiplatsch und Schatterinchen in Erinnerung. Später schaltete ich den Schwarze Kanal ein. Wenn man so will, meine erste Satiresendung im deutschen Fernsehen.

Vielleicht können mir Claus und die anderen der dritten Generation Ost erklären, was ihre Generation ausmacht. Auch im Unterschied zur Generation Golf. Es ist nun schon ein Jahrzehnt her, dass Florian Illies sein Buch geschrieben hat. Ich muss es vor dem Gespräch wieder lesen.

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What should a newly elected President’s top priority be?

US Election Night Party in der Berliner Telekom-Vertretung: US Exchange Coordinator hat mich auf facebook hat nach den Top-Prioritäten für den neu gewählten Präsidenten gefragt. Es durften nur drei Worte sein. Hier meine Antworten:

Economy, peace keeping, Guantanamo

Update:

Die Antworten aller Befragten in einem Video:

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CD der Woche – jetzt auch zum Anhören beim Deutschlandradio

Die CD der Woche des DeutschlandRadio Kultur ist „Landing On A Hundred“ des amerikanischen R&B und neo soul-Musikers Cody ChesnuTT. Ich weiß nicht, ob es eine Bildungslücke ist, dass ich von dem Menschen nie vorher gehört hatte.

Es ist zehn Jahre her, dass er das letzte Album veröffentlichte. DeutschlandRadio Kultur lobte das Album als „ausgefeilt“. Es klinge überraschend geschlossen und lasse die Konkurrenz ziemlich blass aussehen.

Cody ChesnuTT

Cody ChesnuTT (Foto: Tuomas Vitikainen CC BY-SA 3.0)

Ich hätte gerne mal reingehört. Im Radio würde doch auch ein Stück gespielt. Auf der Seite gab es jedoch nichts. Durchaus provozierend twitterte ich deshalb

Die Kollegen des DRadios antworteten prompt.

Offensichtlich geht aber doch etwas. Links auf die Seite des Künstlers, zum Beispiel. Dieses Album ist per Crowdfunding finanziert, da muss doch etwas im Netz zu finden sein, dachte ich mir. Und richtig: Soundcloud.

Weitergeben an DRadio. Die haben es eingebaut. Und nun hoffe ich, dass bei der kommenden „CD der Woche“ der Link auf die Seite des Künstlers oder ein Hörbeispiel gleich dabei ist.

In Abwandung eines Anhalter-Zitats herzlichen Dank:

Und? Wie gefällt die Musik?

 

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Womit Musik und Radio hören?

Seit Silvester 2006 bin ich begeisterter Fan des Musik-Netzwerks-Players Squeezebox. Der Gastgeber hatte ein solches Gerät und mit großer Begeisterung entdeckte ich die scheinbar unendliche Musiksammlung. Die Frage, wie ich meine Musiksammlung organisiere, hatte sich geklärt.

Im Januar 2007 war die Installation eines Squeezebox-Servers mein Einstieg in die Server-Welt. So richtig gut, sollte die nötige Serversoftware nur auf einem Debian-Server laufen, ließ ich mir sagen.  Endlose Abende und Wochenenden verbrachte ich  mit der Installation des Debian-Servers, der Squeezebox-Software und zahlreicher Plugins, damit auch alle relevanten Medienformate abgespielt werden konnten. Weitere Plugins zeigten den aktuellen Wetterbericht, Schlagzeilen oder den Eingang einer E-Mail an. Auf einem ausgemusterten PC installierte ich das alles, lies ihn 24/7 laufen und ignorierte die steigende Stromrechnung. Der Lohn waren etwas mehr als oberflächliche Linux-Kenntnisse. Jeder Musiktitel ist quasi sofort verfügbar.

Inzwischen bin ich auf ein NAS Qnap TS-212 NAS umgestiegen. Das bringt dank RAID mehr Datensicherheit und die Squeezebox-Server-Software installiert sich quasi nebenbei. Und unterstützt die persönliche Energiewende.

Im Laufe der Zeit sind aus einem Endgerät drei geworden. Squeezebox Classic, Boom und Squeezebox Radio beschallen Wohn-, Kinderzimmer und Küche. Die Classic ist immer noch das beste Gerät. Schlicht, funktional und zuverlässig.

Die Boom zickt gelegentlich beim WLAN-Betrieb. Bei der Radio habe ich vergeblich versucht, die Tastentöne zu deaktivieren.

Squeezebox Radio

Meine Squeezebox Radio ist bald ein Oldie.

Bei allen, die keinen eigenen Server haben, sondern über mysqueezebox Radio gehört haben, war in den letzten Tagen Sendepause. Technische Probleme haben die Radios für ein paar Tage wertlos gemacht. Mittlerweile sollen es wieder laufen. Lokale Squeezebox-Server waren von dem Problem nicht betroffen. Warum das Hören von Radiosendern überhaupt über einen zentralen Server organisiert wird? mysqueezebox wirkte für mich als langjähriger Nutzer auch immer etwas angeflanscht und nicht als Teil des Systems.

Zudem hat Logitech angekündigt, die Squeezebox-Reihe nicht fortzusetzen und statt dessen UE Smart Radio eingeführt. Wie die eigene Musiksammlung da integriert wird, ist mir unklar. Die Flexibilität und Offenheit, die Squeezeserver bietet, scheint UE Smart Radio nicht zu bieten.

Slim Devices-Schriftzug auf einer Squeezebox Classic

Slim Devices-Schriftzug auf einer Squeezebox Classic (Foto: _e.t on flickr.com CC BY-SA 2.0)

Hoffentlich finden sich da draußen genug musikbegeisterte Entwickler, die weiter an der Serversoftware arbeiten.

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