Absolute Mehrheit nicht erreicht

War Raabs Sendung „Absolute Mehrheit“ nun eine Karikatur der etablierten Talkshows? Oder so eine Art Piratenpartei der Politik-Talkshow-Welt?

Mein Mashup der Kritiken:

Qualitativ ist sicher noch Luft nach oben, doch die erste Ausgabe von Stefan Raabs Polit-Talkshow „Absolute Mehrheit“ hat schon grandiose Zuschauerzahlen geholt, weiß meedia.de. Das sind die mit Twitter-Tussis. Raab hatte auch so etwas Ähnliches mitgebracht: Peter Limourg, der Telefonjoker des ausgebildeten Metzgers. Für die Zuschauer mit Kurzzeitgedächtnis: Er und Raab haben bereits 2005 und 2009 ähnliche Sendungen zusammen moderiert.

ProSieben ließ Limbourg allerdings nur mäßig animierte Power-Point-Balken vorlesen, die irgendwie mit einer 9live-Ruf-mich-an-Hotline gekoppelt sind. Da schon am Anfang klar ist, dass Limbourg den längsten hat („Senior Vice President Nachrichten und politische Information der ProSiebenSat.1 Media AG„) dürfen auch die rausgewählten Politiker weiter mitdiskutieren. Da nimmt sich Raab den Polittalk-Marathon von Jauchwillplasberg zum Vorbild: Dort sehen wir auch jede Woche die gleichen Gesichter.

Wie immer lassen sich die besten Witze über Leute machen, die nicht da sind. Philipp Rösler gehört in diese Kategorie. War der Einstieg noch gut vorbereitet: „Muss der Rösler weg und wie kann ich Ihnen dabei helfen, Herr Kubicki?„, zeigte sich Raabs kleine Welt in dem unterirdischen Satz: „Wenn Rösler das beim Abendessen sieht, fallen ihm hoffentlich nicht die Stäbchen aus der Hand.“ Spiegel online harnischt: Niemand kritisiert den Moderator für diese Entgleisung, stattdessen versuchen alle, gute Laune zu demonstrieren.

Nico brilliert mit einem weiteren Griff in die TV-Geschichtsbücher: „Es wurde ein Format gewählt, dessen Regelwerk ähnlich wie bei Tutti-Frutti niemand wirklich verstanden hat, nur dass am Ende niemand nackt war.“ Naja, das niemand nackt war, lag nicht am Thema Politik, sondern vermutlich daran, dass die Redaktion nur eine Frau aufs Sofa bringen konnte. In der Mediathek von ProSieben irrlichtete kurzzeitig auch Galileos „Speedwissen Sex“ als „ähnliches Video“ herum.

Doch nicht alle zerreißen die Sendung in Stücke: sueddeutsche.de orakelt: Diese Show könnte ein Publikum dazu bringen, sich mit Politik zu beschäftigen, das sich für diese Themen sonst nicht mal am Rande interessieren würde. 1,28 Millionen der 14- bis 49-Jährigen haben zugesehen. Das sind trotz der deutlich späteren Sendezeit mehr Zuschauer als „Günther Jauch“ vor dem Schirm versammeln konnte.

Wenn „Absolute Mehrheit“ die Piratenpartei der Politik-Talkshow-Welt ist – wie Ingo vermutet, dann haben wir gestern vielleicht die vorletzte Sendung gesehen. Geht es nach Meedia.de, ist der Versuch, der Gattung „Politik-Talkshow“ frisches Leben einzuhauchen, absolut gescheitert.

Einen Wunsch habe ich: Die Menschen, die die Einspieler gemacht haben, sollten unbedingt häufiger Gelegenheit haben, ihr Können zu präsentieren. Bei Plasberg zum Beispiel, meint auch The European.

Flattr this!

Eine Reaktion auf “Absolute Mehrheit nicht erreicht

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *