Twitter ist nicht das Internet

Euer Internet ist nur geborgt, titelte Sascha Lobo kurz vor der re:publica 12 und schrieb eine Selbstverständlichkeit auf, die, weil inzwischen offensichtlich wieder vergessen, jede(r) bitte einhundertmal an die Hauswand schreibt. So wie Brian »Romani ite domum« an die Fassade pinnen musste.

Facebook ist nicht das offene Internet. Google ist nicht DAS Internet. Und, ja liebe Twitteria und liebe Journalisten: Auch Twitter ist nur geborgtes Internet.

Twitter gehört nicht den 1 Milliarde Nutzern, die für 2013 erwartet werden, sondern Twitter Inc. aus San Francisco. Und diese Twitter Inc. muss und will Geld verdienen. Ein guter Ansatz, um in der Marktwirtschaft Geld zu verdienen, ist guter Service.

Einen solchen Service bot Twitter für die Parteitage von CDU und SPD in den vergangenen Tagen. Mit einer Eventpage werden relevante Tweets zu einem Ereignis präsentiert. Oder wie es bei Twitter heißt:

A combination of algorithms and curation will surface the most interesting Tweets to bring you closer to all of the action happening.

Dabei ist die Eventseite ein zusätzliches Angebot. Es werden keine Tweets zensiert oder gelöscht. Aber selbst wenn dies so wäre: Twitter ist nur geborgtes Internet (siehe oben).

Die Mainpost hat recherchiert:

»Wie die Parteizentrale der CDU mitteilte, soll Twitter von sich aus das Angebot gemacht haben, eine Event-Page anzubieten, unentgeltlich und ohne Gegenleistung.«

Das nennt man in der Marktwirtschaft Werbung.

Andere Journalisten stellten fest:

Oder zogen grandiose Schlüsse:

Wieder andere stellten Behauptungen auf, die nicht der Wahrheit entsprachen:

@thodenk war bei der SPD auf der Whitelist, d.h. alle seine Tweets kamen auf die Eventpage.

Steffen Voß stellt richtig fest: Wer Twitter nutzt, kann nicht der SPD und der CDU vor­werfen, dass Twitter ist, wie es ist.

Wie sagte der römische Legionär zu Brian: »Und wenn Du das bis Sonnenaufgang ….«

P.S. Ob jetzt der Algorithmus der Eventpages offengelegt werden muss, kann man diskutieren. Ich fordere vorbeugend Coca-Cola auf, sein Rezept zu veröffentlichen.

Update: Siehe auch Interwebz, wir müssen reden.

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15 Reaktionen auf “Twitter ist nicht das Internet

  1. Pingback: Interwebz, wir müssen reden. | Mina.

  2. CocaCola ist keine Partei und für Parteien gelten andere Regeln als für Unternehmen. Natürlich ist Twitter ein gewinnorientiertes Unternehmen, welches eventpages verschenken und bewerben darf. Aber dürfen die Parteien solche Geschenke annehmen? Ich meine Nein. Man stelle sich vor, „Die Zeit“ würde die SPD um eine whitelist von Leserbriefschreibern bitten. Parteien müssen sich der Diskussion stellen und sei sie noch so unbequem. Jeder Partei stünde der demokratische Grundsatz gut zu Gesicht: „ich bin nicht Deiner Meinung, aber ich werde alles tun, damit sie auf der Eventpage erscheint“ . Wenn Twitter das nicht garantieren kann, ist das Angebot abzulehnen.

    • Wie Fräulein Tessa schon anmerkte, ist die Eventpage ein zusätzliches Angebot. Wie die ZEIT die Leserbriefe auswählt, weiß ich nicht.

    • Das ist doch schon wieder völlig falsch verknüpft.
      Ja: CocaCola ist keine Partei.
      Ja: Für Parteien gelten andere Regeln aus für Unternehmen.
      Aber 1: Es soll schon vorgekommen sein, dass Parteiveranstaltungen in Sach-Form von Getränkeunternehmen gesponsort wurden. Halte ich nicht für verwerflich.
      Aber 2: Nur weil CocaCola auf CDU-Parteitagen ausgeschenkt wird (zumindest mal vorausgesetzt), muss CC trotzdem nicht das Rezept veröffentlichen.
      Aber 3: Frank hat recht. Keine wird gezwungen diese Event-Seite zu besuchen/zu nutzen. Die „normale“ Twitter-Suche liefert immer noch alle Ergebnisse. Es ist nur ein zusätzliches Angebot. Genauso wie CocaCola im Zweifel auf keiner Veranstaltung die Gäste dazu zwingen würde nur Cola zu trinken, sondern ebenso Fanta in petto hätte…

      • Eine Anmerkung: Die Eventpage von Twitter ist weder Angebot noch Geschenk an eine Partei. Da kommt nur die Info: „Wir machen eine Eventpage über euren Parteitag – entweder mit oder ohne euch.“
        Das ist Marketing unter Nutzung des öffentlichen Drucks – ganz wertfrei und nüchtern betrachtet. Dieser Satz macht es einer Partei unmöglich, Twitter auf ihrem Parteitag nicht in irgendeiner Form zu berücksichtigen (wenn sie das denn überhaupt wollte – siehe Öffentlichkeit).

  3. Twitter ist kein Öffentlich-Rechtliches Medium, von daher gibt es dort auch andere Regeln. Im Fernsehen muss ich Werbung aller Parteien ertragen, bei Twitter nicht. Ebenso muss Twitter auch nichts garantieren, das ist Blödsinn aus Klein-Bloggersdorf. Wenn der eine oder andere Tweet nicht auf der Eventpage erscheint, so what? Und da meines Wissens auch kein Geld für eine Eventpage verlangt wird, sehe ich auch keinen Grund, selbige abzulehnen. Hier wird mal wieder ein künstlicher Aufstand zelebriert, wie es ihn nur in Deutschland geben kann. Mimimi, die haben meinen Tweet nicht auf „ihrer“ Seite veröffentlicht! Ja und? Wann genau wurde eigentlich im Grundgesetz der Absatz aufgenommen, das jeder in jedem Medium jederzeit auf den Boden spucken darf? Nein, das Recht auf Meinungsfreiheit wird dadurch nicht eingeschränkt, lieber Max Mustermann. Und ganz ehrlich: Wenn ich sehe, was manche auf Twitter so zum besten geben, bin ich froh, wenn ich mit dem Geplärre nicht auch noch auf einer Event-Seite konfrontiert werde.

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