Elektronischer Fahrausweis erspart den freundlichen Erinnerungstweet

Seit wenigen Tagen bin ich Besitzer einer cardFahr carfahr fahrCard: eines elektronischen Fahrausweises im Format einer Scheckkarte. [Schecks kennen die meisten nicht mehr. Ich kenne sogar noch Schecks, zu denen keine Scheckkarte gehörte.]

Das Kartenformat entspricht den üblichen Abmaßen einer Scheckkarte einer Krankenversichertenkarte (85,725 mm × 53,975 mm bzw. 33/8″ × 21/8″). Die fahrCard ersetzt die bisherigen Wertmarken des BVG-Abos. »BVG-Abo« steht hier synonym für den öffentlichen Nahverkehr im Berliner Stadtgebiet, offiziell für den Tarifbereich Berlin AB.

Ich bin Kunde der S-Bahn, das spielt im Verkehrsverbund für den Kunden allerdings keine Rolle. Preise und Leistungen sind bei S-Bahn und BVG gleich. Nach einer Testphase, die im August 2011 begann, wird nun der elektronischen Fahrausweis, neudeutsch bahndeutsch, fahrCard genannt, nach und nach an alle Abo-Kunden ausgegeben.

fahrCard und Wertabschnitte der letzten drei Monate

fahrCard und Wertabschnitte der letzten drei Monate

Der Wechsel der Abschnitte zum Monatsbeginn entfällt. Erinnerungstweets sind ab sofort unnötig. Gerade dann, wenn der Monatswechsel auf ein Wochenende fiel, habe ich gerne vergessen, den Abschnitt zu tauschen.

Am letzten des vorherigen Monats und am ersten Tag des neuen Monats gelten glücklicherweise beide Marken. Aber ein wenig Herzklopfen überkam mich dann schon, wenn am dritten oder vierten Tag eines Monats die Kontrolleure die Bahn durchstreiften. Hatte ich den neuen Abschnitt eingepackt?

Gelegentlich fuhr ich länger mit dem Vormonatsabschnitt. In diesen Monaten wurde ich dann jedoch nie kontrolliert.
Für die Kartenkontrolle in der Bahn sind Lesegeräte nötig, die per Nahbereichkommunikation (NFC) die auf der Karte gespeicherten Daten überprüfen. In der Testphase konnte ich beobachten, dass den Kontrolleuren gelegentlich das Vorzeigen der Karte ausreichte und die Daten nicht ausgelesen worden sind. Das wird sich im Regelbetrieb nicht durchhalten lassen. Die Zahl der Fahrgäste, die pro Zeiteinheit kontrolliert werden können, wird sinken.

Die BVG haben eine ausführliche FAQ-Seite zum Thema eingerichtet.

Die denglische Bezeichnung fahrCard passt nicht zum Versprechen „Die Bahn spricht wieder deutsch„. 2010 hatte der pensionierte Englischlehrer Aschenbrenner über den CSU-Abgeordneten Ernst Hinsken Bahnchef Grube ausrichten lassen, dass sein Sprachmischmasch mehr Provinzialität als Weltläufigkeit ausstrahle. Grube versprach Besserung. Ein englische Nachrichtenseite erklärt es seinen Lesern so:

In the letter, Grube said the company would no longer be using the term “flyer” to describe its leaflets.

Gute Fahrt!

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