BarCamps: Mehr Liebe für die Inhalte

Bar Camp 05

Das Bar Camp 05 machte seinem Namen Ehre (Scott Beale on flickr (CC BY-NC 2.0))

Zwei Tage All-you-can-eat-Buffet, Spaß mit Gleichgesinnten in gastfreundlichem Künstlerdorf in der Innenstadt von Essen. Anreise und Übernachtung in Eigenregie. Begrenztes Kartenkontingent, nur 19 Euro pro Person.

Da muss man schnell sein. Die knapp 200 Tickets für dieses Event waren in kürzester Zeit vergriffen. Viele waren ohne Ticket geblieben, weil der Server unter dem Ansturm zusammenbrach. Die Ticketbörse verzeichnete rund weitere 30 Interessenten, viele hatten sich gar nicht erst eingetragen. Es erschien ihnen aussichtslos.

Klingt nach dem Schnäppchen bei einem Online-Portal. Tatsächlich sind dies die Rahmenbedingungen eines der beliebtesten Barcamps Deutschlands, des BarCamp Ruhr, das zum sechsten Mal Anfang März im Unperfekthaus in Essen stattfand.


Der Sinn eines BarCamps ist es, gemeinsam etwas zu schaffen und Wissen miteinander zu teilen. Seit dem ersten BarCamp 2005 in Pao Alto hat diese Un-Konferenzform schnell Nachahmer auch in Deutschland gefunden. 2006 stieg das erste dieser Art in Berlin.

Für einen Neuling ist es nicht einfach, vor einem BarCamp zu erfahren, was ihn dort erwartet. Ein Tagungs- oder Konferenzprogramm existiert nicht, weil es erst am jeweiligen Tag erstellt wird. In ihren Blogposts befassen sich Barcamp-Besucher mit der Anreise, der Verpflegung und dem Dank an die Sponsoren.

Alles ist möglich

Ebenso traditionsreich wie überflüssig ist die Kurz-Vorstellungsrunde aller 180 Teilnehmer. Name, Twitternick und drei Stichworte musste jeder Teilnehmer nennen. Mein Tipp für das nächste Barcamp: „Social“ und „Kaffee“ sind bei Strafe verboten.

Erst danach können Tanz-Sessions für Nerds, Improvisationstheater und Nachhilfe von einem Serienjunkie in den Sessionplan eingetragen werden. Das Alles-ist-möglich-Prinzip eines BarCamps erlaubt auch das. Der Themenfokus beim #bcruhr6 sollte nach dem Willen von Initiator Stefan Evertz auf Blogs liegen. Festlegen will er sich nicht: Das Camp bleibe „themenoffen“. Im Ergebnis beschäftigten sich am ersten Tag circa zwei der sieben zeitgleich stattfindenden Sessions im Unperfekthaus mit Blogs.

Der Barcamp-Besucher wird nicht überfordert 

Der Besucher, der mit der Erwartung Neues über Blogs zu erfahren, nach Essen fuhr, wurde nicht überfordert. Die Auswahl blieb möglich. Der Stress, in der Session nebenan, etwas zu verpassen, stellte sich nicht ein. Die Sessions, die ich mir ausgesucht hatte, gaben mir gute Impulse:

  • Screencast mit Camtasia werde ich mir definitiv genauer ansehen.
  • Die kleine Schreibschule mit Christian und Christian hat altes Wissen wachgerüttelt.
  • Stefans und Johannes Plädoyer für Corporate Blogs und Utes Englisch-Übersetzungshilfen stärkten mich für den Arbeitsalltag.

Leider kratzen wir in der Session über Storify nur an der Oberfläche. Vermittelt wurde ein Einstieg für absolute Anfänger, die noch nie Storify gesehen oder gehört hatten. Fragen zu Details konnten auch in der Gruppe nicht hinreichend geklärt werden. Auch die WordPress-Session blieb hinter meinen Erwartungen deutlich zurück.

Zukunft des Barcamps 

Erfahrene BarCamper quittierten die Sessionvorschläge zum Teil mit einem enttäuschten “Och ne… Die Themen wurden doch schon mindestens fünfmal durchgekaut.” Am Ende der beiden Tage fragte Organisator Stefan Evertz nicht ohne Grund nach der Zukunft der BarCamps. Mehr Themen-Barcamps und mehr interne Barcamps sieht er für die Zukunft.

Blogger-Ikone Robert Basic kritisierte im November 2011: „Alle Stärken und Schwachpunkte werden seit 2006 mitgeschleppt.“ Am Grund- und Feinkonzept habe sich nichts mehr getan.

Für eine gelungenes Barcamp ist der Veranstaltungsort und die Verpflegung offensichtlich doch das Wichtigste.

Wir sehen uns auf der re:publica. Deren Sessionplanung ist nahezu abgeschlossen.

Danke!

Mein Dank geht an Anton und Andreas für die Camtasia-Lizenz, an Tim Jonischkat für die Abgabe seines Tickets und an Dauer-Barcamperin Romy, die mir Barcamps geduldig erklärte.

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3 Reaktionen auf “BarCamps: Mehr Liebe für die Inhalte

  1. „Kaffee“ verbieten? Niemals. Das gemeinsame Kaffee trinken ist doch Teil der (Nerd-)Kultur. Und: Beim Kaffee werden fachliche Ideen entwickelt, Kontakte gemacht und gepflegt und bisweilen eben genauso geblödelt, wie in manchen Sessions. Das BCRuhr ist für mich DAS Beispiel für Systematisch Kaffeetrinken.

  2. Pingback: Results for week beginning 2013-03-11 | Iron Blogger Berlin

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