Apollon, Koronis und der Twitter-Vogel

Apollon und der Rabe

Apollon und der Rabe (Darstellung ca. 470 v. Chr.)

Twitter ist einfach, heißt es. 140 Zeichen maximal und los geht’s. Doch tatsächlich ist Twitter kompliziert. Die Zahl der Konventionen ist größer als die Anzahl der Kardinäle bei der Papstwahl.

Eine der wichtigsten ungelösten Fragen aller Twitter-User ist, ob ein Retweet eine Unterstützung signalisiert. »Is a retweet an endorsement?« Zu dieser Frage existieren hunderte Meinungen.

Die Twitter-User, die länger dabei sind und selbst viel twittern, werden das mehrheitlich verneinen. Tatsächlich ist die Lage komplizierter. Die »stillen Genießer« auf Twitter sehen das nach einer nicht-repräsentativen Umfrage, die ich gestern abgeschlossen habe, anders.

Wenn mir ein Tweet schnurzpiep egal ist oder ich das Gegenteil für richtig halte, dann retweetet man das doch nicht!

Andernfalls ergeht es ihnen wie dem schönen Vogel des Apollon, der wegen seines Retweets über das schändliche Verhalten der Koronis sein edles Gefieder verlor. Danach begründete der Vogel dennoch die Gattung der Raben.

Retweet als Verstärker

Schauen wir uns den meistretweeten Tweet der Twittergeschichte an: Es ist »four more years«. Grob geschätzt könnten bei den ersten 100 Retweets könnte noch ein oder zwei Republikaner dabei gewesen sein, denen es lediglich darum ging, die Niederlage ihres Kandidaten zu vermelden. Der Retweet quasi verpackt in ein patriotisches Statement. Alle anderen zeigten Unterstützung mit diesem Retweet.

Die zweite wichtige Retweet-Kategorie ist eher der Ausnahmefall: Es ist etwas geschehen, das ein Unbekannter mit weniger als 100 Follower beobachtet hat. Ein Flugzeug im Hudson River, beispielsweise.

Wir müssen mehr retweeten, meint Claus. Da stimme ich ihm zu – aus anderen Gründen. Viele Dinge bekomme ich nicht mit, weil ich nicht 24/7 meine Timeline beobachte und nur selten »zurückspule« wie Sven das tut.

  • Retweetet, um Twitter-Perlen nicht unter die Säue geraten zu lassen.
  • Retweetet, aber mit zeitlicher Verzögerung, damit andere Versäumtes nachlesen können.
  • Retweetet, wenn Ihr etwas klasse findet.

Um interessante Leute zu entdecken, ist ein Retweet ineffektiv. Dazu nutzt Hashtags und die neue Entdecken-Funktion von Twitter.

Und wenn ihr dann noch Zeit habt, dann wühlt Euch durch Blogs. Neue und alte. Bekannte und unbekannte. Abonniert sie: per Mail, per Reader oder wie auch immer. Da findet ihr viel Stoff, den ihr twittern könnt.

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2 Reaktionen auf “Apollon, Koronis und der Twitter-Vogel

  1. Pingback: Ihr müsst mehr RETWEETEN! | kritikkultur.de

  2. Pingback: Vernetzung im Netz | notizhefte

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