Coca Cola auf einer Reise: Journey

Screenshot: Coca Cola Unternehmenswebseite

Screenshot: Coca Cola Unternehmenswebseite

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er ‘was erzählen. Der bekannte Hersteller koffeinhaltiger Erfrischungsgetränke hat sich Matthias Claudius zum Vorbild genommen. Herausgekommen ist Journey.

„Entertainment“, „Happiness“ und „Mythos“ gehören zu den Zielen der Reise von Coca Cola.

Coca Cola ist selbst so etwas wie ein Mythos. In jedem Fall eine starke Marke. Die Marke kennen wahrscheinlich 105 Prozent der deutschen Bevölkerung. Mindestens. Der Prozentsatz der regelmäßigen Coke-Trinker ist nur geringfügig kleiner. Kaum Luft nach oben für herkömmliche Ziele. 

Etwas mehr Entertainment könnte unserer Unternehmenswebseite nicht schaden, dachte man sich deshalb wohl in der Kommunikation.

Herausgekommen ist so eine Art Online-Lifestyle-Magazin. Keine große Sache für eine große Marke, wenn man bedenkt, dass ein anderes Erfrischungsgetränk schon für einen gewagten Sprung eines Mannes aus mehr als 36 Kilometer Höhe gesorgt hat. In der Unternehmenskommunikation doch aber ungewöhnlich.

Der Verantwortliche hat zur Präsentation sein graues Coke-look-a-like-Nerd-Shirt angezogen und fürs Fotoshooting ein paar Kronkorken vor dem Firmenlogo in der Katine in die Luft geworfen. Hurra!

Ein paar Klicks weiter beantwortet ein Mann mit dem zur Marke eher unpassenden Namen BIERhoff sieben Fragen zur Lebensfreude. Er lachte übrigens zuletzt mit Kollegen über “gegenseitigen Verhaltensmuster in verschiedenen Situationen”. Nicht über einen Witz, nicht aus Schadenfreude. Nicht über die Gegner.

Herr BIERhoff lacht über “gegenseitige Verhaltensmuster in verschiedenen Situationen”. Klingt für mich schon beim Lesen total unlustig. Ich denke regelmäßig an Timm Thaler, wenn ich “in verschiedenen Situationen” mit Kollegen “gegenseitige Verhaltensmuster” bespreche.

Hapiness-Institut

Listen machen sich auch immer gut. Auch ich mache das. Coca Cola hat vor zwei Jahren für die ultimativen Top-Ten zur Lebensfreude ein „Hapiness-Institut“ gegründet. Trendforscher, Hapinessforscher und Fortschrittsforscher arbeiten dort mit dem Initiator des Schulfachs „Glück“ (Idee von 2008, noch nicht in allen Kultusministerien angekommen.) zusammen. Die Umfrage dieses Instituts aus dem Jahr 2011 liefert jetzt (2013) die Grundlage für eine Liste.

Freunde sind wichtig, vor allem für Singles, lernen wir dort. Für Menschen, die in Beziehungen leben, sei lieben und geliebt werden, von Vorteil. Viel Lachen helfe auch, siehe oben.

Konkurrenz für Claus, Ilka und Eileen

Von mir wurden Highfäschnblogger immer unterschätzt. Seitdem der beste NYC-Fotograf diesseits des Atlantiks, gemeint ist ToKo, mich mit der Welt der Highfäschnblogger bekannt machte, weiß ich, dass es kaum heißeren Scheiß gibt. Davon haben die bei Cola auch gehört und eine weniger gelungene Kopie des Highfäschnblogs von Eileen und Ilka aus den Modemetropolen Wien und Stuttgart besprochen. Vier Links zur Startseite des Modeblogs sind in dem Text enthalten. Tiefere Links wie bei Claus Blogkritik findet der Leser in der Blogoskopie leider nicht.

Kein gutes Haar in der Suppe?

Wer meint, ich finde kein gutes Haar in der Suppe, irrt. So schlecht ist die Seite nicht. Jedenfalls nicht so schlecht, wie ich sie mit meinen bisherigen Zeilen beschrieb. Die Videos zu 50 Jahre Bundesliga gefallen mir. Auch die zweite Liste mit 13 Coke-Songs kannte ich nicht. Die Spotify-Integration macht Spaß.

Cola hat sich wirklich auf eine Reise begeben: Unternehmenskommunikation auf eine neue Art. Das US-Mutterunternehmen startete den Versuch bereits vor einigen Monaten.

Befördert “Journey” diese Gratiskultur im Internet, die von den Holzmedien gebetsmühlenartig kritisiert wird? Für qualitativ gleichwertigen Inhalt wird kaum jemand bezahlen wollen, soviel steht fest.

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