Mit der deutschen Huffington Post wird das Bloggen zum Mainstream

Screenshot: Huffington Post

Screenshot: Huffington Post

Die Huffington Post steht in der Tür. Hereingelassen nach Deutschland hat sie TomorrowFocus, nach eigener Darstellung “einer der führenden börsennotierten Internetkonzerne in Deutschland”.

Die Folgen: Der Deutsche Journalistenverband warnt auf seinem Blog vor einem möglichen Gesetzesverstoß:

“Der DJV weist darauf hin, dass die Urheber in Deutschland Anspruch auf eine angemessene Vergütung haben.” 

Ein Qualitätsmedium wie die tageszeitung blamiert sich mit einem Bericht, der mit orthografischen Fehlern gespickt ist.

Ich lese dort von “1.600 veröffentlichenten Geschichten pro Tag” und “dass das Konzept auch in Europa ein Erfolgsmodel sein kann”. Wie das geht? Die Huffington Post auf setzt auf “suchmaschinenoptimiertes Schrieben”.

Ich, der Urheber dieses Textes, weise darauf hin, dass ich mich gleich morgen beim DJV erkundigen werde, wo ich meinen Anspruch auf angemessene Vergütung für diesen Text einklagen kann. Suchmaschinenoptimiertes Schreiben, liebe taz, könnt ihr schon. Für “suchmaschinenoptimiertes Schrieben” findet Google genau einen Treffer.

taz

Verlags- und Gewerkschaftsbashing will ich heute nicht betreiben. Die letzten beiden Absätze sollen lediglich den Vorwurf entkräften, die Huffington Post senke das Niveau.

Wenn wir Blogger ehrlich zu uns selbst sind, dann ist eine Blog-Leserszene in Deutschland quasi nicht vorhanden. Wir schreiben so vor uns hin. Wir freuen uns, wenn es eine Geschichte von unseren Geschichten irgendwo in die Massenmedien schafft. Zwar werden wir immer mehr und auch besser durch Blogkritiken, aber außerhalb von Überraschungsvorträgen und selbstversichernden Blogaufrufen zur re:publica kommen wir nur als Randnotiz vor.

Springen wir ein paar Jahrzehnte zurück: 1976 erschien in meiner Heimatstadt das erste Sonntagsanzeigenblatt Deutschlands. Dies wirbelte in der beschaulichen niedersächsischen Provinz publizistisch einiges durcheinander. Mit einer gut geschriebenen Pressemitteilung war es beim “Kehrwieder am Sonntag” viel einfacher ins Blatt zu kommen als bei der guten alten Tante aus dem Hause Gerstenberg. Und zudem erreichte das Anzeigenblatt kostenlos jeden Haushalt. Der Kehrwieder war trotz seines Status als Anzeigenblatt für die eine oder andere Story gut. Nicht immer hundertprozentig durchrecherchiert, mehr so vom Typ “große Glocke”.

Der Kehrwieder war gedrucktes Bloggen im Stil der 1980er Jahre. Auch wenn der Vergleich hinkt und nicht zuletzt bemüht wurde, um etwas Lokalkolorit hineinzubringen: Die deutsche Huffington Post in Deutschland könnte endlich dazu beitragen, das Bloggen bei einer Mehrheit der Internetnutzer ankommen lassen. Auf beiden Seiten, bei Lesern und Bloggern. Die Blogger erhalten eine Plattform, die Leser eine Marke.

Flattr this!

Eine Reaktion auf “Mit der deutschen Huffington Post wird das Bloggen zum Mainstream

  1. Pingback: Results for week beginning 2013-04-29 | Iron Blogger Berlin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *