Erste Sätze: Eco – Der Friedhof in Prag

Friedhof in Prag (transcript on flickr (CC BY 2.0))

Friedhof in Prag (transcript on flickr (CC BY 2.0))

Wunderbare Stadt, weltbekannter Autor, 519 Seiten.

Der Passant, der an jenem grauen Morgen im März 1897 auf eigene Gefahr die Place Maubert überquert hätte – »la Maub«, wie sie im Ganovenmilieu genannt wurde (einst Zentrum des universitären Lebens im Mittelalter, Treffpunkt der Studenten, die an der Fakultät der Freien Künste am Vicus Stramineus, heute Rue du Fouarre, studierten, dann Pranger-, Folter- und Hinrichtungsstätte für Jünger des freien Denkens wie Étienne Dopet) -, wäre in eines der wenigen Viertel von Paris gelangt, das von den Planierungen des Barons Haussmann verschont geblieben war, ein Gewirr übelriechender Gassen, zerschnitten vom Lauf der Bièvre, die damals dort aus den Eingeweiden der Metropole herauskam, in denen sie so lange eingepfercht gewesen war, um sich fiebernd, gurgelnd und voller Würmer in die nahe Seine zu ergießen.

Umberto Eco, Der Friedhof in Prag
dtv, 2013

Der erste Satz hat 120 Wörter. Ludwig Reiners und Wolf Schneider hätten diesen Satz nicht durchgehen lassen.

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