Apollon, Koronis und der Twitter-Vogel

Apollon und der Rabe

Apollon und der Rabe (Darstellung ca. 470 v. Chr.)

Twitter ist einfach, heißt es. 140 Zeichen maximal und los geht’s. Doch tatsächlich ist Twitter kompliziert. Die Zahl der Konventionen ist größer als die Anzahl der Kardinäle bei der Papstwahl.

Eine der wichtigsten ungelösten Fragen aller Twitter-User ist, ob ein Retweet eine Unterstützung signalisiert. »Is a retweet an endorsement?« Zu dieser Frage existieren hunderte Meinungen. Alles lesen

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Deutschland von oben

Der kanadische Astronaut Chris Hadfield veröffentlicht – unter anderem auf Twitter – wunderbare Fotos der Erde, die er aus der ISS aufgenommen hat.

Aktuell waren einige Fotos von deutschen Städten dabei, unter anderem Hannover, Bonn und Berlin: Städte, in denen ich einen Teil meines Lebens verbrachte.

Liebes Deutschland! Die Fotos sind heute für Sie, schrieb Hadfield.

 

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1380g beste Debatten

Es ist nicht fair, das Debattenmagazin The European auf Masse zu reduzieren: 1380g wiegen die drei Hefte. Keine leichte Kost, die Alexander Görlach und sein Team zusammengetragen haben. In dieser Woche ist das dritte Heft erschienen.

Dreimal "The European"

Dreimal „The European“

Utopia, Weitermachen und Vollendung: Auch selbstmotivierend klingen die Titel.

Utopisch klang es im Jahr 2012: Ein reines Online-Magazin, das mit unerwartetem Erfolg eine Nische füllte, wagt das Experiment, ein gedrucktes Magazin herauszugeben. Ein neuer Titel, obwohl ringsherum der Niedergang des Prints beobachtet wird.

Nach dem ersten Heft sagten alle begeistert: Weitermachen. Das zweite erschien. Nun ist das dritte da: Vollendung.

Ein klein wenig wie in der Kindheit fühle ich mich, wenn ich die drei Hefte nebeneinander ins Regal stelle: Sammelleidenschaft. Eine Hommage an das lustige Taschenbuch und die Star Wars-Triologie?

Optisch verhält sich der gedruckte The European wie sein Online-Vater: unaufgeregtes, zurückhaltendes Design. Viel Weiß und viel Text.

The European ist kein Coffee-Table-Magazin, das beim Durchblättern alles über den Inhalt verraten hat. Im Gegenteil: Der Leser wird gefordert. Ich gebe offen zu: Mehr als eine Debatte pro Abend verträgt mein Hirn nicht. Zwei aus dem aktuellen Heft will ich vorstellen:

Gefährliches Zögern 

Haben Sie über die Kosten des Zögerns nachgedacht? Wie viele Menschen leiden, verlieren Geld, sterben zu früh oder werden nicht geboren, weil übermäßige Vorsicht, Zaudern und Nicht-Handeln gewonnen haben gegen Erfindergeist, Mut und Tatkraft? Juan Enriquez, früherer Direktor des Harvard Business School Life Sciences Projekts, lenkt in seinem Debattenbeitrag unsere Aufmerksamkeit auf Zauderer und Bedenkenträger. Wenn es diese Menschen früher in größerer Zahl gegeben hätte, wären automobile nicht erfunden und Elektrizität nicht entdeckt worden.

Unvorstellbar 

Die beiden Autoren der Debatte „Ein Leben ohne Fußball“ mühen sich redlich ein Bild von einer Welt zu zeichnen, die ohne Fußball auskommen müsste. Kein Fußball ist auch keine Lösung für die Welt. Denn wir wissen alle, Fußballer sind nicht gottlos: „Viele haben an mich geglaubt: Mein Manager, meine Familie, der Trainer und ganz besonders der liebe Gott.“ (Kevin Kuranyi). Gottlosen und gläubigen Menschen sei die Debatte über Atheismus empfohlen. Und natürlich alle anderen auch.

Das Heft ist für acht Euro am Kiosk und per Versand erhältlich. Wo wird The European im Bahnhofskiosk einsortiert?

Die erste Ausgabe von "The European" in der Auslage einer Bahnhofsbuchhandlung

Die erste Ausgabe von „The European“ in der Auslage einer Bahnhofsbuchhandlung

Gar nicht offensichtlich.

Transparenzhinweis: Herausgeber Alexander Görlach kenne ich seit mehreren Jahren persönlich.

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BarCamps: Mehr Liebe für die Inhalte

Bar Camp 05

Das Bar Camp 05 machte seinem Namen Ehre (Scott Beale on flickr (CC BY-NC 2.0))

Zwei Tage All-you-can-eat-Buffet, Spaß mit Gleichgesinnten in gastfreundlichem Künstlerdorf in der Innenstadt von Essen. Anreise und Übernachtung in Eigenregie. Begrenztes Kartenkontingent, nur 19 Euro pro Person.

Da muss man schnell sein. Die knapp 200 Tickets für dieses Event waren in kürzester Zeit vergriffen. Viele waren ohne Ticket geblieben, weil der Server unter dem Ansturm zusammenbrach. Die Ticketbörse verzeichnete rund weitere 30 Interessenten, viele hatten sich gar nicht erst eingetragen. Es erschien ihnen aussichtslos.

Klingt nach dem Schnäppchen bei einem Online-Portal. Tatsächlich sind dies die Rahmenbedingungen eines der beliebtesten Barcamps Deutschlands, des BarCamp Ruhr, das zum sechsten Mal Anfang März im Unperfekthaus in Essen stattfand.

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Blogger lesen wieder Tageszeitung!

Tageszeitung

Zu viele Blogger schreiben unverständliches und langweiliges Deutsch. Christian und Christian nerven diese langweilige Blogposts, darum ermunterten die beiden die Besucher des BarCampsRuhr6 ab sofort interessanter zu schreiben.

„Schöner bloggen – kleine Schreibschule“

Wie Schulaufsätze seien viele Berichte verfasst, die nach einem BarCamp entstehen: Lange Anleitungen übers Kofferpacken, detailreiche Schilderungen der hinlänglich bekannten Verspätungen bei der Bahn und ausdrucksschwache Freude über das Klassentreffen. Die wesentlichen Informationen werden von den Autoren im letzten Absatz und komplizierten Nebensatzkonstruktionen versteckt, kritisiert Christian Dingler. Christian de Vries sammelte symbolisch Satzzeichen ein: „Gebt mit bitte Eure Kommata!“ Alles lesen

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Der Papst verkauft Zeitungen

Johann Tetzel

Johann Tetzel

Ein „Konservativer im wahrsten Sinne des Wortes“ (Cicero) wird zum Werbeträger für Print-Verlage. Die ZEIT erkundigt sich, ob ich Bedauern verspüre.

Was ist los? Gleich zwei als Meinungsumfragen getarnte Werbemails füllten heute meinen E-Mail-Eingang, weil der Papst sein Amt aufgibt.

Der Cicero wirbt mit den Restbeständen der 2011er September-Ausgabe als wäre es ein guter Wein, der nach längerer Lagerung noch besser wird. Die ZEIT hingegen verschenkt drei Wir-sind-nicht-mehr-Papst-Ausgaben und eine Uhr, mit der ich die Zeit bis zur Wahl des neuen Papstes messen kann.

Der Leser muss nur drei (Cicero) oder vier (ZEIT) Fragen zum Papst beantworten – und schon ist der Handel perfekt.

„Wenn das Geld im Kasten klingt, die Zeitung in den Briefschlitz springt.“ (frei nach Johann Tetzel)

Lieber Papst, was machen Menschen nur für Geschäfte mit Dir.

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Sprachpolizei bei der kleinen Hexe: Neger und Wichse

Die kleine Hexe von Ottfried Preußler muss ohne Neger auskommen. Die Schuhe in dem Kinderbuch werden nicht mehr gewichst, sondern geputzt. Wer bei »durchgewichst« an Geschlechtsverkehr denkt, liegt ohnehin daneben. Die Rede ist von der Prügelstrafe: Kinder, die verhauen, über’s Knie gelegt werden.

Sprach-Clownerie um die kleine Hexe (By Usien  CC-BY-SA-3.0-2.5-2.0-1.0, via Wikimedia Commons)

Sprach-Clownerie um die kleine Hexe (By Usien CC-BY-SA, via Wikimedia Commons)

Bei Kinderbüchern, die in jeder Kindergeneration gelesen und verstanden werden sollen, kann ich nachvollziehen, dass die Wichse durch »Prügel« oder »Schuhcreme« ersetzt werden soll. Das Wort wird zwar im Duden noch korrekt erläutert, umgangssprachlich aber nahezu nicht mehr verwendet.

Anders beim Wort Neger. Hier soll die Szene offenbar deutlicher und auch inhaltlich verändert werden. Der Verlag schreibt:

In jener Szene, in der das Wort ‚Neger‘ auftaucht, wird Fasching gefeiert. Otfried Preußler ist dabei wichtig, diese Tradition darzustellen. Die Kinder verkleiden sich auf verschiedene Weise und darunter muss nicht notwendig eine Verkleidung als ‚Neger‘ sein. Der Inhalt der Szene, der Witz und die Intention werden nicht verändert, wenn eine andere, nicht ethnische Verkleidung gewählt wird.

Zu Ende gedacht bedeutet dies, liebe Narren: Karneval ist nur noch korrekt in einer »nicht ethnischen Verkleidung«. Indianer, Neger oder Eskimo sind ab sofort nicht erwünscht, und Euch droht der Ausschluss aus der Festsitzung oder der Platzverweis beim Rosenmontagszug. Zukünftig könnte es auch sein, dass man sich im Karneval nicht mehr als Bankräuber (Aufruf zur Begehung von Straftaten) oder Polizist (übertriebene Gewaltdarstellung) verkleiden darf. Clown geht wahrscheinlich auch nicht, da damit indirekt die unmenschliche Haltung von Zootieren unterstützt wird.

Durch derartige Sprachanpassungen wird Rassismus nicht beseitigt.
Im Großen Brockhaus von 1955 heißt es unter dem Eintrag Neger:

Die Akklimatisationsfähigkeit und soziale Anpassungsgabe des N. hat die wirtschaftliche Erschließung weiter Teile Afrikas und Amerikas ermöglicht. […] In dienender Rolle ist der N. bei gerechter Behandlung ansprechbar und treu.

Unfassbar, auch für das Jahr 1955! Da springt der Rassismus dem Leser unmittelbar entgegen und würde auch nicht eliminiert, wenn man beim Lesen das Wort Neger durch ein garantiert nicht negativ konnotiertes Wort ersetzte.

Keine Sprachpolizei, bitte! 

Sprache verändert sich, wenn sie benutzt wird. Neue Wörter entstehen, andere wechseln die Bedeutung. Das ist gut und richtig. Da Ottfried Preußler mit der Änderung einverstanden ist, sind die Änderungen für die Neuauflage hinnehmbar. Ich hätte mich an seiner Stelle jedoch anders entschieden. Sprache ist ein lebendiges Ding im Kontext ihrer Zeit.

Eine Sprachpolizei brauchen wir nicht. Rassismus verschwindet nicht, wenn einzelne Begriffe verbannt werden. Und die Verwendung eines negativ konnotierten Wortes macht den Sprecher nicht automatisch zum Rassisten.

Toleranz und Gleichberechtigung müssen wir alle immer wieder leben und praktizieren. Der richtige Sprachgebrauch stellt sich dann ganz von selbst ein.

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NDR Blue: Öffentlich-rechtliches Webradio mit Musikjournalismus

Wolken an der Nordsee

Wolken an der Nordsee: Heimatsender NDR

Musikjournalismus ist im Radio selten geworden. Dudelradio aller Orten. Berlin hat wohl so viele Radiostationen wie keine andere deutsche Stadt, dennoch weiche ich immer wieder auf meinen Heimatsender Jugendsender, den NDR aus.

Beim Radio verhält es sich offenbar analog zu einem Douglas-Adams-Zitat:

Jeder Radiosender, den Du nach dem 35. Lebensjahr hörst, richtet sich gegen deine natürlichen Hörgewohnheiten.

Bei dem Radiomix, der heutzutage gespielt wird, fehlen mir eindeutig die Moderationen. Bitte keine flachen Witze, kein Hörer-Spaßtelefon, sondern Informationen zum Titel, zum Album oder zur Band. Beim NDR war »Der Club« so ein Format, an das ich mich gerne erinnere. Zugegeben: Vielleicht ist meine Erinnerung etwas verklärt. Das neue »NDR Blue« erinnert mich an diese Zeit.

Der Nachtclub, ein Überbleibsel dieser goldenen Radiozeit, läuft auf NDR Blue zu einer annehmbaren Zeit, beispielsweise sonnabends ab 9 Uhr und ab 16 Uhr: Wer es genauer wissen will: Programmschema für Montag bis Freitag und am Wochenende. Ein guter Service sind auch die Playlists zu jeder Sendung.

Quellen für NDR Blue sind in Niedersachsen das Digitalradio, dort und im Rest der Welt das Internet. Direkt für Dein Webradio unter http://www.ndr.de/resources/metadaten/audio/m3u/ndrblue.m3u

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Bloggen könnte 2013 wichtiger werden

Macht kleine geile Blogs auf, schrieb Claus während der re:publica und wurde von Sascha Lobo geadelt. Der hatte nämlich vorher bei Spiegel online und auf der re:publica genau das gefordert.

Nun hat sich Johnny drüben bei Spreeblick selbst in den Allerwertesten getreten und will 2013 das Netz zurückerobern. »Twitter ist nicht das Internet« stellte ich neulich ebenfalls fest.

Alles richtig. Aber: Ein bisschen klingt das eben doch nach »früher«. Früher als man noch das eigene Blog füllte und nicht anderer Leute Timeline.

Ein eigener Webspace ist zwar besser als die Gedanken irgendwo bei Google+ reinzuschreiben. Das eigene Blog ist mehr »richtiges Internet« als bei facebook oder Google+, aber dennoch auch abhängig von einer privaten Infrastruktur, wenn auch brav nach deutschen Gesetzen. Dieses Blog liegt bei Hosteurope, weil ich es aus mehreren Gründen nicht auf meinen NAS hosten möchte. Und selbst wenn es da gehostet wäre, was wäre gewonnen? Internet kommt bei uns mit Kabel Deutschland ins Haus.

Von irgendetwas.wordpress.com bin ich weg, weil ich mehr Flexibilität haben wollte. Einfacher ist es dadurch jedoch nicht geworden.

#rp12-Stühle

#rp12-Stühle (re:publica 2012 on flickr CC BY 2.0)

Das Internet soll ein öffentlicher Raum sein, aber anders als der Pariser Platz in Berlin oder der Marktplatz vor dem Rathaus in meiner Geburtsstadt.

Matthias Richel schlussfolgert, wir bräuchten Public Space Server. Angesichts des Versagens der öffentlichen Hand beim Aufbau von Infrastruktur sehe ich das mit einiger Skepsis. Ob wir »dem Staat« diese Aufgabe zumuten sollten?

Genossenschaftliche Modelle haben stärker die Interessen der Allgemeinheit und die ihrer Mitglieder im Fokus. Wir kennen das von den Volksbanken oder aus dem Wohnungsbau. Subsidiaritätsprinzip nennen wir das. Gibt es das irgendwo funktionierend als Host- oder Zugangsprovider?

Neben dieser eher intellektuellen Debatte um den besten Platz und die ideale Infrastruktur für mein und Euer Geschriebenes scheint es mir wichtig daran zu erinnern, die ersten Aufgaben zu lösen:

  • Wie erreichen wir mehr Leser?
  • Wie können wir die »Blogger-Szene« in Deutschland professionalisieren?
  • Wie gelingt es, mehr Leute zum Bloggen zu bringen?

Im Moment schmoren wir im eigenen Saft, werden uns auf der re:publica13 wieder versichern wie toll wir sind. Doch gefühlte 99 Prozent der Menschen halten uns tendenziell für eher verrückte Nerds. Wenn sie denn überhaupt mal auf ein Blog gestoßen sind und anschließend wussten, wo sie sind.

Nicht, dass ich falsch verstanden werde: Die re:publica ist wichtig und ohne dieses Klassentreffen würde mir etwas fehlen. Wenn Du nicht von Dir selbst überzeugt bist, kannst Du auch andere nicht überzeugen.

Vermutlich könnte 2013 für Blogger wichtiger werden als 2012.

Meine Internet-Vorsätze für 2013:

  • Mehr Bloggen – um mich selbst zu motivieren, habe ich mich bei den Ironbloggern beworben.
  • Andere Blogger anstupsen, damit sie (wieder) mehr bloggen. Von Sina, Anja oder Lina würde ich gerne wieder etwas lesen. Aber auch Stecki, Stephan oder Sven könnten häufiger schreiben. Alle anderen auch.
  • Mehr Menschen überreden überzeugen, dass sie mit dem Bloggen beginnen. Der Claus hilft mir bestimmt dabei. Patty und Peter auch.
  • Ein neues Wort fürs Bloggen suchen. Bloggen klingt in den Ohren der KRS-Internetnutzer* zu nerdig, zu techniklastig. Wenn das nicht klappt: »Bloggen« einen neuen, positiveren Sinn geben.

Und einfacher und vernetzer muss es werden. Das schrieb Johnny auch.

*KRS-Nutzer: Konto, Reise, Spiegel online

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Absolute Mehrheit nicht erreicht

War Raabs Sendung „Absolute Mehrheit“ nun eine Karikatur der etablierten Talkshows? Oder so eine Art Piratenpartei der Politik-Talkshow-Welt?

Mein Mashup der Kritiken:

Qualitativ ist sicher noch Luft nach oben, doch die erste Ausgabe von Stefan Raabs Polit-Talkshow „Absolute Mehrheit“ hat schon grandiose Zuschauerzahlen geholt, weiß meedia.de. Das sind die mit Twitter-Tussis. Raab hatte auch so etwas Ähnliches mitgebracht: Peter Limourg, der Telefonjoker des ausgebildeten Metzgers. Für die Zuschauer mit Kurzzeitgedächtnis: Er und Raab haben bereits 2005 und 2009 ähnliche Sendungen zusammen moderiert.

ProSieben ließ Limbourg allerdings nur mäßig animierte Power-Point-Balken vorlesen, die irgendwie mit einer 9live-Ruf-mich-an-Hotline gekoppelt sind. Da schon am Anfang klar ist, dass Limbourg den längsten hat („Senior Vice President Nachrichten und politische Information der ProSiebenSat.1 Media AG„) dürfen auch die rausgewählten Politiker weiter mitdiskutieren. Da nimmt sich Raab den Polittalk-Marathon von Jauchwillplasberg zum Vorbild: Dort sehen wir auch jede Woche die gleichen Gesichter.

Wie immer lassen sich die besten Witze über Leute machen, die nicht da sind. Philipp Rösler gehört in diese Kategorie. War der Einstieg noch gut vorbereitet: „Muss der Rösler weg und wie kann ich Ihnen dabei helfen, Herr Kubicki?„, zeigte sich Raabs kleine Welt in dem unterirdischen Satz: „Wenn Rösler das beim Abendessen sieht, fallen ihm hoffentlich nicht die Stäbchen aus der Hand.“ Spiegel online harnischt: Niemand kritisiert den Moderator für diese Entgleisung, stattdessen versuchen alle, gute Laune zu demonstrieren.

Nico brilliert mit einem weiteren Griff in die TV-Geschichtsbücher: „Es wurde ein Format gewählt, dessen Regelwerk ähnlich wie bei Tutti-Frutti niemand wirklich verstanden hat, nur dass am Ende niemand nackt war.“ Naja, das niemand nackt war, lag nicht am Thema Politik, sondern vermutlich daran, dass die Redaktion nur eine Frau aufs Sofa bringen konnte. In der Mediathek von ProSieben irrlichtete kurzzeitig auch Galileos „Speedwissen Sex“ als „ähnliches Video“ herum.

Doch nicht alle zerreißen die Sendung in Stücke: sueddeutsche.de orakelt: Diese Show könnte ein Publikum dazu bringen, sich mit Politik zu beschäftigen, das sich für diese Themen sonst nicht mal am Rande interessieren würde. 1,28 Millionen der 14- bis 49-Jährigen haben zugesehen. Das sind trotz der deutlich späteren Sendezeit mehr Zuschauer als „Günther Jauch“ vor dem Schirm versammeln konnte.

Wenn „Absolute Mehrheit“ die Piratenpartei der Politik-Talkshow-Welt ist – wie Ingo vermutet, dann haben wir gestern vielleicht die vorletzte Sendung gesehen. Geht es nach Meedia.de, ist der Versuch, der Gattung „Politik-Talkshow“ frisches Leben einzuhauchen, absolut gescheitert.

Einen Wunsch habe ich: Die Menschen, die die Einspieler gemacht haben, sollten unbedingt häufiger Gelegenheit haben, ihr Können zu präsentieren. Bei Plasberg zum Beispiel, meint auch The European.

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