Datenschutz im Internet

Die Mitautoren der Broschüre bei der Diskussion in der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung

Die Diskussion in der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung (Foto: KAS)

„Datenschutz im Internet“ heißt eine neue Broschüre der Konrad-Adenauer-Stiftung, die Anfang Juli erschienen ist. „Sie richtet sich weniger an die Fachleute als viel mehr an die, denen die politischen, rechtlichen und technischen Zusammenhänge noch nicht so vertraut sind“, schreibt die KAS zu dieser Publikation.
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Fingerabdrücke im Netz

Den Fingerabdruck kann ich freiwillig auf meinem Personalausweis speichern lassen, beim Reisepass muss ich das sogar.

Der Zugriff auf die im Ausweis-Chip gespeicherten biometrischen Daten, d. h. Foto und gegebenenfalls Fingerabdrücke, bleibt ausschließlich den berechtigten behördlichen Stellen zur sicheren Personenkontrolle an Grenzen und im Inland vorbehalten. Dies wird durch technische Maßnahmen sichergestellt.

So das Bundesinnenministerium auf seiner Webseite zum neuen Personalausweis.

Im Internet geben wir immer wieder unseren Fingerabdruck ab. Jeder Browser, jeder Computer hinterlässt einen Fingerabdruck beim Aufruf einer Webseite. Wie einzigartig so ein „Browser Fingerprint“ tatsächlich ist, untersucht Henning Tillmann in seiner Diplomarbeit noch bis zum 15. Dezember 2012.

Hinlänglich bekannt ist, dass die IP-Adresse, die Browser-Version und das verwendete Betriebssystem übermittelt werden. Das ist angesichts der unterschiedlichen Interpretation von HTML bei den verschiedenen Browsern auch dringend nötig. Andernfalls würden die Webseiten mit verschiedenen Browsern noch unterschiedlicher aussehen, als sie das schon jetzt tun.

Aktuell weiß ich: [about-visitor]

Neu war mir aber bis heute, welche Detailinformationen darüber hinaus noch abrufbar sind. Die installierten Schriftarten geben bei mir zum Beispiel darüber Auskunft, dass ich irgendetwas mit der CDU zu tun habe. Wie das? Folgende vier Schriften, die die CDU Deutschlands in ihrem CDUplus-Mitgliedernetz allen Ehrenamtlichen zur Verfügung stellt, befinden sich auf meinem Rechner.

Screenshot CDU-Schriften

Screenshot Browser Fingerprinting nach meinem Aufruf

Nun ist das bei mir eine Tatsache, die öffentlich ohnehin bekannt ist. Aber theoretisch kann das jeder Webseitenbetreiber zusammen mit den von mir besuchten Webseiten speichern. Henning tut das – mit meiner Einwilligung.

Ich will hier keine Angst verbreiten, sondern bin Hennings Ergebnisse gespannt. Auf seiner Projektwebseite sammelt er für eine gute Sache viele Browser-Fingerabdrücke. Jeder sollte bis zum 15.12. mitmachen, damit wir etwas mehr darüber erfahren, wie andere von uns weniger erfahren können.

Hier entlang: bfp.henning-tillmann.de

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Schaar und das Leistungsschutzrecht

Herr Schaar, oberster Bundesdatenschützer, kann sich in seiner Funktion zu vielem äußern. Datenschutz betrifft nahezu alles, gerade wenn dieses Internet im Spiel ist.

Bei den Münchner Medientagen soll Schaar sich für ein Leistungsschutzrecht für Presseverlage stark gemacht haben, meldete dieser Tage der Branchendienst Horizont.net.

„Peter Schaar, Bundesbeauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit, fordert die Politik zu raschem Handeln in Sachen Leistungsschutzrecht auf: „Da wird Handeln angekündigt, aber es geschieht nicht allzu viel“, sagt der Bundesbeauftragte. Dabei stehe das Leistungsschutzrecht im Koalitionsvertrag.“

Das wäre nicht sein Business. (Oder doch? s.u.) Er kann gerne versuchen Facebook zu regulieren, die Gesundheitskarte begutachten, den ePerso evaluieren oder was auch immer. Meinetwegen kann er auch die Koalition schelten, dass der Koalitionsvertrag zur Hälfte der Legislaturperiode in seinem Zuständigkeitsbereich noch nicht vollständig umgesetzt ist.

Aber das Leistungsschutzrecht anmahnen, das ist nicht seine Aufgabe. Wenn man sich die Aufzeichnung (ab Minute 15) ansieht, dann schmilzt die Meldung in sich zusammen und das Leistungsschutzrecht wird nur zum Beispiel des angeblichen Nicht-Handelns der schwarz-gelben Regierung.

Die fleißigen Kollegen von irights.info kannten die Aufzeichnung nicht und haben direkt bei Schaar nachgefragt und melden:

„Bundesdatenschutzbeauftragter Schaar falsch zum Leistungsschutzrecht zitiert“

Schaar korrigierte die Horizont-Meldung richtigerweise, denn das hat er nun wirklich in München nicht gesagt.

Doch im letzten Nebensatz bestätigt er den Inhalt der Meldung als Privatperson Schaar dann doch:

Eine explizite Unterstützung eines Leistungsschutzrechts hat es von meiner Seite nicht gegeben, auch wenn ich diese Forderung persönlich gut nachvollziehen kann.

Oder was habe ich da jetzt falsch verstanden?

Schaar ist nicht nur Datenschützer, sondern auch für die Informationsfreiheit zuständig. In dieser Eigenschaft wird er sich sicherlich auch mit der Verbändeerklärung zum Leistungschutzrecht vom September 2010 auseinandersetzen. Dort beklagen der BDI und andere schwergewichtige Verbände – Achtung! – die mögliche »Beschränkung der Informationsfreiheit« bei der Einführung eines Leistungsschutzrechts.

Ich muss über das Leistungsschutzrecht und die Informationsfreiheit nochmal nachdenken. Wer noch?

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Privacy Please?

Let’s take about datebases. Datenbanken sind das zentrale Mittel für den amerikanischen Wahlkampf. Beide Parteien arbeiten mit im Allgemeinen mit demselben Tool, Aristotle 360.

Ein durchaus mächtiges Werkzeug. Es kann die unterschiedlichsten Daten zusammenführen und auswerten, die dann sowohl für Fundraising, Wahlkreisbetreuung und den Wahlkampf eingesetzt werden.

Nehmen wir einmal an, der Kandidat plant in einer bestimmten Gegend Hausbesuche. Dann kann er mit der Datenbank schon vorher planen, wen er besuchen möchte. Vielleicht nur die Familien mit kleinen Kindern, die bei der letzten Wahl gewählt haben. Oder die Hundebesitzer oder die Senioren. Alles möglich. Die Daten aus den Wählerverzeichnissen werden munter mit E-Mail-Adressen, Kundenbeständen, Umzugsmeldungen und vielem mehr abgeglichen. Bald wird Schon gibt es Apps für Smartphones geben, mit denen man sofort und vor Ort Veränderungen aufnehmen kann.

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Targeting

Die Wahlbeteiligung in Amerika ist traditionell niedrig, das System ist kompliziert. In jedem Bundesstaat ist das Wahlrecht anders. Ein Großteil der Arbeit in Amerika ist Mobilisierung. Die Wählerverzeichnisse sind public data. Man weiß, wer in den letzten Jahren gewählt hat und bei den meisten weiß man auch, wie sie gewählt haben. Die Datenbanken sind das Kapital eines jeden Abgeordneten. Sie werden munter abgeglichen mit anderen soziologischen Daten wie Einkommen, Familienstand und und und. Formulare auf den Webseiten sollen so simpel wie möglich gestaltet sein. Am besten nur die E-Mail-Adresse, das reicht. Das wissen alle, die schon einmal selbst ein solches Formular gestaltet oder ausgefüllt haben. Bei langen Formularen sind die Abbruchraten hoch. Den Rest kann man entweder nach und nach zu einem späteren Zeitpunkt abfragen oder, wenn man genügend investiert, in den USA auch dazu kaufen. Anhand der E-Mail wird man identifiziert und klassifiziert. Familienstand, Wohnort, Haushaltseinkommen, Automarke und Musikgeschmack, alles kein Problem. Kombiniert mit den Wählerlisten ist eine gezielte Ansprache möglich. We do all for your convienence. And you are our target.;)

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