Blogparade der Enquete-Kommission: Es geht was!

Die Enquete-Kommission »Internet und digitale Gesellschaft« hat zur Blogparade geladen. Einsendeschluss war am 30 November. Da mir die Enquete sehr am Herzen liegt, habe ich den einen oder die andere dazu ermuntert, loszubloggen. Noch bis zum 16. Dezember könnt Ihr Euch beteiligen.

Bloggen für die Internet-Enquete

Bloggen für die Internet-Enquete (Foto: Tobias Koch)

Es sind viele Beiträge geworden. Ich danke Euch allen dafür, dass Ihr mitgemacht habt und Eure Gedanken aufgeschrieben habt.

Aber der Reihe nach:

Claus alias Kritikkultur machte den Anfang und bemängelte:

Unserer Debattenkultur fehlt der Wille zum Ausgleich. Wir begeben uns heute nicht mehr mit dem Bewusstsein in eine Auseinandersetzung, dass am Ende der Abwägung verschiedener Positionen und Argumente ein Konsens steht. Wir agieren nach dem Highlander-Prinzip: Es kann nur einen geben.

Der Einzige blieb Claus nicht – zum Glück. Romy aka snoopsmaus sieht es zwischenmenschlicher:

Betrachtet man Onlinekommunikation mal als eine neue Liebe, dann kann man sie lieben und sie liebt einen vielleicht auch zurück. Aber man muss sich auf das Risiko einlassen, sie erkunden und kennenlernen und hat man den Mut einmal aufgebracht und ist sich näher gekommen, dann fällt einem die große Last, das Gefühl des Risikos, nach und nach von den Schultern.

Gesine aka pundp meint, dass der Kuschelfaktor im Netz eher größer ist als von Angesicht zu Angesicht – und erzielt damit die höchste Zahl von Kommentaren der hier aufgeführten Beiträge:

Hitzige Debatten, bei denen sich die Gemüter erregen und die Stimmen laut erheben, erlebe ich bei Facebook und anderen Communities oder Blogs so gut wie nie. Man geht sich nicht an den Kragen. Im Gegenteil: Angesagt ist Wohlfühlen. Und deshalb passt man sich lieber an. Da man weder auffallen, noch anecken und zudem mit seiner Meinung nicht alleine bleiben mag, richtet man seine Statusmeldungen nach dem Massengeschmack. Mainstream galore! Mit populärer Musik, niedlichen Katzenbildern, rotglühenden Sonnenuntergängen, einem Instagrambild vom leckeren Mittagessen, Sinnsprüchen und Albernheiten oder Schmeicheleien hält man seine Claqueure bei der Stange.

Ihr Beitrag wurde zudem von Golem in der Kategorie IMHO zweiverwertet.

Magnus aka grindcrank hat scheinbar andere Erfahrungen gemacht. Er stellt drei praktische Regeln auf, die jede(r) beherzigen sollte und warnt vor übereiligen Reaktion:

Wenn mich also etwas ganz furchtbar aufregt, schlafe ich eine Nacht drüber oder mache erstmal was ganz anderes und anschließend reagiere ich.

Die von mir sehr geschätzte Dagmar Wöhrl empfiehlt in ihrem Beitrag, der auch unabhängig von der Blogparae stehen kann, sich einfach mal »auf dieses Internet einzulassen«. Und spricht weise:

Man muss schließlich auch ein Herz für Trolle haben.

Tobias Schwarz (isarmatrose) setzt sich ebenfalls mit Trollen auseinander:

Bullshit, Trolle bzw. Menschen mit einem enormen Mitteilungsbedürfnis und schwankenden Manieren gibt es hüben wie drüben. Sie sind in diesem Internet anstrengender und oft auch verletzender, aber auch leichter abzustellen.

Patrick hat einen ganz praktischen Rat:

Man sollte nichts schreiben, was man nicht auch laut in einer Kirche neben seiner Großmutter aussprechen würde.

Malte Steckmeister (Stecki) hat einige ältere Beiträge aus seinem Blog herausgesucht. Denn: Bei dieser Blogparade waren auch zeitreisende Beiträge zugelassen. Er sieht tatsächlich die Politik in der Pflicht:

Wenn wir nicht wollen, daß auf der einen Seite wenige Anbieter aufgrund der Konzentrationsentwicklungen der letzten Jahre schon in Bälde faktisch wirkliche Torwächter-Blackboxen sind und auf der anderen Seite pressure groups Fakten schaffen, dann wird die Politik hier mehr als langsam, dafür aber umso sicherer international koordiniert handeln müssen (und ja: Globale Vernetzung bringt es mit sich, ob man mag oder nicht, daß Rechtsmaßstäbe und -regelungen global(er) werden). Sie muß uns effektiv durchsetzbare Netzbürgerrechte geben. Wir brauchen digitale Grundrechte gegen globale Gatekeeper im Netz!

In einem anderen Beitrag warnt er Politiker:

Wer mit Methoden und Adaptionsrate von Gestern heute Politik für morgen machen will, hat schon verloren. Wer aber noch nicht mal wirklich im Heute angekommen ist, der sollte bitte ein anderes Hobby finden als ausgerechnet Zukunftsgestaltung.

Die Übersicht der Beiträge: 

Mein eigener Beitrag findet sich hier, die weiteren Beiträge zur Blogparade in den Kommentaren des Originalaufrufs.

Ach, ja: Wer noch nicht hat – ran! Einsendeschluss ist jetzt am 16. Dezember. 

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Männlich, weiß, gut gebildet, mittelalt

habichthorn: „Jedenfalls scheint sich die Einsicht, dass das Schema „männlich, weiß, mittelalt“ nicht nur unfassbar langweilig, sondern auch diskriminierend ist, nur sehr langsam durchzusetzen.“

Politcamp-Logo

Eva (@habichthorn) hat auf politcamp.org eine Debatte angestoßen, an der sich unter anderem auch Claus (@kritikkultur) und ich beteiligt haben. Claus meint, das Netz sei geschlechtslos. Ich plädiere für Pragmatismus. Und stelle noch die Frage, ob das Netz akzeptiert, wenn neue, andere Teilnehmer dazu kommen.

Da sich der Verein PolitCamp leider aufgelöst hat und ich nicht weiß, wie lange die Webseite politcamp.org noch betrieben werden wird, habe ich diesen Artikel von mir aus dem Oktober 2011 hierher gerettet.

DAS NETZ VERÄNDERT SICH. WERDEN WIR ES AKZEPTIEREN?

Ich bin weiß, männlich, ausweislich meines Abiturs und Diploms auch gut gebildet und hoffentlich noch mittelalt. Bei “mittelalt” könnten die wahren Digital Natives noch den größten Lachanfall bekommen. Die: unter 30. Ich: 45.

Eva hat eine Debatte angestoßen, die, wenn man oder frau konsequent sein will, im Ergebnis auf eine Quote hinausläuft. Für Podien, für Vorstände, für alles.

Kann man gut finden, muss man vielleicht auch, wenn man überall einen wirklichen Querschnitt der Gesellschaft abbilden will: Landfrauen – wirklich nichts gegen Landfrauen – zur nächsten Freiheit statt Angst-Demo!

Ich will mich nicht lustig machen über Landfrauen oder Demonstranten. Ich frage mich nur: Muss ich, um diskriminierungsfrei mitreden, mitdenken zu können, – ihr merkt, ich zögere etwas, weil ich den Shitstorm fürchte – muss ich da eine nicht-weiße Frau ohne Schulausbildung sein? Oder wenigstens ein Kriterium erfüllen? Hoffentlich nicht.

Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, bei einem großen Podium auch eine Quotenfrau (oder einen Quotenmann) einzuladen. Dafür kann man ideologische Gründe finden, muss man aber nicht. Es ist einfach angenehmer und hebt die Kritikkultur. Pragmatische Politik fand ich schon immer am besten.

Das Netz verändert sich rasch. Die Eliten, die Gutgebildeten, die Männer und die Mittelalten werden teilweise verdrängt, andere gesellschaftliche Gruppen kommen hinzu und verändern das Netz und seine Teilnehmer. Davon bin ich überzeugt.

Kann sein, dass dann unser Netz etwas anders wird. Werden wir es akzeptieren?

 

Der Beitrag von Christian Soeder auf seinem Blog: Prädikat Quotenfrau

 

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Volksparteien sind Gemischtwarenläden

Die Debatte um die Volksparteien ist in vollem Gange. Alte Fahrensleute der Union streiten öffentlich, um die Richtigkeit ihrer Argumente. Einer, dem meine Lieblings-Sonntagszeitung sehr viel Platz für eine redigierte Rede einräumte, will die CDU mit alten Rezepten über Wasser halten über 40 Prozent bringen. Erste Maßnahme: Er schweigt nicht länger. Im Kern hofft er, die alte Stärke würde irgendwie wiederkommen, wenn man nur fest genug daran glaube und die Programme wieder herausholte, die entweder damals schon nicht funktionierten oder zu herben Wahlniederlagen führten.

Meine Meinung: Das wird nichts. 

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