Chris Potter live at The Village Vanguard: Anhören!

The Village Vanguard (Foto: scottlenger on flickr (CC BY-NC-ND 2.0))

The Village Vanguard (Foto: scottlenger on flickr (CC BY-NC-ND 2.0))

Clubs, die einem in einem Reiseführer empfohlen werden, stufe ich normalerweise als Touristenhöllen ein. Oder sie haben ihre beste Zeit längst hinter sich und dienen nur noch als zweitklassiger Abklatsch für die Gäste der Stadt.

Wirklich nichts dergleichen trifft auf The Village Vanguard zu. Der Kellerclub, bestehend seit 1935, wird im aktuellen Lonely Planet als der Jazz-Club in New York empfohlen. Und tatsächlich: Er ist der Jazz-Club, wahrscheinlich nicht nur in New York. Ich gebe zu, es hat etwas gedauert, bis ich das auch realisiert hatte. Das mag daran liegen, dass ich mich im Jazz eher nicht auskenne. Ich mag die Musik.

Village Vanguard: Liebevolle minimalistische Ankündigung

Village Vanguard: Liebevolle minimalistische Ankündigung

Wie ich schon schrieb, besuchten wir anlässlich des New York-Besuches ein Chris Potter-Konzert im Village Vanguard. Er spielt sehr technisch, sehr kühl. Das muss man schon mögen – keine leichte Kost. Unlängst veröffentlichte er sein erstes Album beim bedeutenden Label ECM: The Sirens.

Und einen Tag bevor wir in New York unser Chris Potter-Konzert erlebten, hat National Public Radio (NPR) genau dort im Village Vanguard und eben mit diesem Chris Potter und seinen drei anderen überragenden Musikern das Konzert aufgezeichnet, dass wir dann auch hörten.

NPR

 

Und nun? NPR hat 12 eindrucksvolle Bilder und 73 Minuten und 14 Sekunden Musik für Euch.

Das Album The Sirens kann bei amazon bestellt werden.

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Meine persönlichen NYC-Top-10-Ratschläge

Städtetrips sind kein Erholungsurlaub, jedenfalls mehr nicht in meiner Alterskohorte. Und eine Städtreise in den Berliner Winterferien in DIE Stadt, New York schon gar nicht. Für mich das dritte Mal, für mitgereisten Familienangehörigen das erste Mal. Da die beiden vorherigen Aufenthalte deutlich kürzer waren, sah ich vieles auch zum ersten Mal.

Für alle, die ein paar subjektive Tipps suchen, hier meine ultimativ persönlichen NYC-Top-10-Ratschläge.

Blick aus dem Hotelfenster auf die 8th Avenue

Blick aus dem Hotelfenster auf die 8th Avenue

1. Unbedingt ein zentrales Hotel wählen, auch wenn die teuerer sind. Wir waren im Hilton Garden Inn Times Square. Das ist fast unmittelbar am Times Square, zwei Ecken weiter in der 8 Ave, zwischen der 48. und 49. Straße. Zum Times Square mit seinen unzähligen Ticketverkäufern für Broadway- oder Comedy-Shows, der gefühlt größten Polizeidichte an einem öffentlichen Platz und den riesigen Leuchtreklamen sind es nur ein paar Minuten zu Fuß. Der Service war gut, unser Zimmer für New Yorker Verhältnisse äußerst geräumig und es gab kostenloses WLAN mit akzeptabler Geschwindigkeit. Der Supermarkt mit heißer Theke befand sich direkt an der nächsten Straßenecke.

 

2. Von Midtown-Manhattan kann man große Teile der Stadt zu Fuß erkunden. Die Stadt ist in Wirklichkeit gar nicht so groß wie man vielleicht zunächst vermuten mag. Horizontal meine ich. Beispielsweise Central Park, Fifth Avenue oder Grand Central Station liegen greifbarer Nähe.

New York lernt man zu Fuß am besten kennen

Und das sollte man unbedingt ausnutzen: Einfach mal zu Fuß gehen. Die Gehwege sind breit, nach kurzer Zeit hat man auch das mit den Ampeln raus. Die Ampelphasen, Walk and Don’t walk, werden einfach nicht beachtet. Auch wenn die Polizei (NYPD) direkt vor dir steht: Alle gehen, wenn die Straße frei ist.

3. Frühstück kostet im Hotel unglaublich viel. In allen Hotels. Bei unserem wären es 20 Dollar plus Tax und Tip gewesen, rund 18,50 Euro. Besser frühstückten wir im Gourmet New York Marketplace. Direkt gegenüber vom Westin Hotel, 8 Ave, Ecke 42. Straße. Das hört sich bombastischer an als es ist. Ein kleiner Laden mit außerordentlich freundlicher Bedienung. Wir hatten quasi immer Bagels, beispielsweise den Plain Bagel with Butter and Jelly für $1.75. Der große Kaffee ist etwas teurer als im benachbarten Starbucks, aber das Starbucks-WiFi reicht rüber. Aber auch Pancakes und Paninis geben eine gute Grundlage für den Tag.

4. Wenn man dann doch mal in der Stadt nicht zu Fuß unterwegs sein will, ist die U-Bahn zu empfehlen. Die MetroCard kann mit jedem beliebigen Betrag aufgeladen werden. Für $10 erhält man den Gegenwert von $10.70. Eine Fahrt kostet unabhängig von der Streckenlänge $2.25. Ob man eine unlimited ride-Karte (7 Tage) für $29 kauft hängt von den persönlichen Vorlieben und der Dauer des Aufenthalts ab. Wir haben uns dagegen entschieden und am Ende doch ungefähr den Betrag für Einzelfahrten ausgegeben. Die beste iOS-App für den Weg durch den U-Bahn-Wirrwarr mit Zahlen und Buchstaben in vielen Farben sowie Local- und Express-Zügen bietet Embark NYC.

Neben Polizei-Autos in allen denkbaren Größen fahren fast nur Taxis auf den Straßen. Als wir eins brauchten – nachts um 23:00 Uhr – fuhren, ungefähr hundert an uns vorbei – alle besetzt. Wir haben nach ca. 15 Minuten aufgegeben und nahmen doch die U-Bahn.

5. Die beste Aussicht der Stadt bietet Top of the Rock, also die 70. Etage des Rockefeller Centers. Ein unbeschreiblicher Blick 280 Meter über den Straßen New Yorks auf das Empire State Building, den Central Park und alles andere. Vorher nachsehen, wann die Sonne untergeht und ca. eine halbe bis drei Viertel Stunde vorher da sein. Die blaue Stunde, die Lichter, die sich langsam über die Hochhäuser legen – und das alles in einer unbeschreiblichen Höhe. Atemberaubend schön. Im Winter leider ziemlich kalt. Also sehr kalt. Bitter kalt. Viel kälter als unten auf der Fifth Avenue. Wem es zu kalt wird, der kann sich auf der untersten Aussichtsplattform wieder etwas aufwärmen. Der Platz mit der direkten Sicht auf das Empire State Building ist dann jedoch weg.

Top of the Rock: Blick auf Manhattan

6. Wer nach New York zum Einkaufen fahren will, sollte unbedingt die Fifth Avenue meiden und die Einkäufe nach SoHo verlegen. Beispielsweise im Levis-Store fanden wir Jeans für etwas über 24 Dollar, dasselbe Modell kostete am Times Square rund 70.

Eine echte Enttäuschung waren Macy’s und Century21. Noch 2008 konnte ich dort echte Schnäppchen machen. In diesen Tagen beobachtet man nur den Niedergang der Warenhäuser. Schlimm. Bei Macy’s wird zwar kräftig gebaut, aber offensichtlich nicht in dem notwendigen Umfang. Century21 hatte nur Ramschware im Angebot.

7. Erinnerungen wachhalten können die Amerikaner mit Perfektion. In New York ist das 9/11-Memorial das wohl Eindrucksvollste, was derzeit zu besichtigen ist. Die beiden Becken sind wirklich atemberaubend. Besichtigung nur mit Voranmeldung über die Webseite des zukünftigen Museums. Sicherheitsschleusen wie am Flughafen, die Schuhe müssen nicht ausgezogen werden.

Erinnerung an 9/11

Erinnerung an 9/11

8. Was gerne vergessen wird: New York ist Hafenstadt. Ausflugsschiffe und Fähren gehören in dieser Stadt genauso dazu wie an der deutschen Nordseeküste. Die Staten Island Ferry fährt tagsüber im 30-Minuten-Takt von der Südspitze Manhattans rüber nach Staten Island. Die Fahrt ist kostenlos und führt direkt an Miss Liberty vorbei. Die Schiffe sind riesig. Nicht alle haben ein Oberdeck, notfalls muss man mehrmals hin- und herfahren, um die Aussicht ohne Glasscheiben genießen zu können. Miss Liberty war nicht zu besichtigen, da aufgrund der Schäden des Wirbelsturms Sandy die Insel immer noch gesperrt war.

Staten Island Ferry

Staten Island Ferry

9. Wer nach den vielen zu Fuß zurückgelegten Meilen noch nicht vollends müde in sein Hotelbett fällt, dem sei The Village Vanguard empfohlen. Ein Jazz-Club südlich der 14. Straße in Greenwich Village. Von außen sehr unscheinbar, kein Ticketschalter. Eintrittskarten werden nahezu ausschließlich online über die Webseite verkauft. Im Gegensatz zu vielen anderen Clubs werden auch Jugendliche unter 21 Jahren eingelassen.

Hinter der schmalen roten Tür führt eine enge Treppe in den Keller. Wer zuerst kommt, erhält die besten Plätze. Man wird vom aufmerksamen Service zum Platz geleitet. Ein Drink ist verpflichtend: Die Coke für $5, das Budweiser für $7. Garderobe kostet weitere $2 pro Stück. Insgesamt alles sein Geld wert. Wir hörten und sahen das Chris Potter Quartett. Der Mann am Klavier und der am Schlagzeug wären allein schon gut genug gewesen. Potter verlieh mit drei verschiedenen Saxophonen dem Abend dann fünf Sterne.

Pollock im MoMA

Pollock im MoMA

10. Wer unwahrscheinlicherweise noch keine deutschen Landsleute getroffen hat, hat ganz bestimmt im MoMA Gelegenheit dazu. Beim Ausleihen des Audio Guides ist ein Ausweis als Pfand zu hinterlegen. Die deutschen Personalausweise sind deutlich in Überzahl. Das Museum of Modern Art beherbergt eine außergewöhnliche Sammlung, die auch bei meinem dritten Besuch (vorher einmal in Berlin und einmal in New York) immer wieder Neues brachte. Im Gegensatz zu vielen deutschen Museen darf im MoMA in großen Teilen der Ausstellung ohne Blitz fotografiert werden. Die Kleckse von Pollock durchs eigene Objektiv für die eigene Festplatte festgehalten – möglich.

Die Fotos dieses Beitrages wurden von den mitreisenden Familienangehörigen und mir gemacht. 

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