«Mein Herr und mein Gott!»

Ob Thomas wirklich den Finger in die Wundmale legte wie die Darstellungen in der Kunst uns glauben lassen wollen? Nach dem Johannes-Evangelium antwortete der zuvor noch Zweifelnde nicht mit einer Untersuchung der Auferstehung, sondern mit einer kräftigen Glaubensbezeugung: Mein Herr und mein Gott!

Der ungläubige Thomas

Der ungläubige Thomas, Michelangelo Merisi da Caravaggio, 1601-02 (Public Domain/Wikicommons)

Für eine bildliche Darstellung nicht geeignet. Wie kann man sich heute auf Ostern vorbereiten? Mein Weg: „Sieben Wochen ohne“. Freiwilliger Verzicht in der Passionszeit auf Alkohol und Süßigkeiten.

Bei der Abschiedsparty der lieben Kollegin verzichtete ich auf das Glas Prosecco, im Getränkemarkt habe ich zwar den Kasten Einbecker Mai-Urbock gekauft, aber er steht noch unberührt im Keller. Sonntags verzichtete ich auf das liebgewordene Glas Wein zum Mittagessen. Und auch an das Feierabendbier hatte ich mich mehr gewöhnt als ich mir selbst eingestanden hatte: Der Verzicht fiel mir zumindest in der ersten Zeit nicht wirklich leicht.

Und der Verzicht auf Süßigkeiten? Eine Definitionsfrage. Süßigkeiten definiere ich als industriell hergestellte Waren mit viel Zucker und Schokolade. Andere Fastende sehen Kuchen bereits als Süßigkeit an und verzichten auch darauf. Ich nehme mir die Freiheit, darüber selbst zu entscheiden. Nicht Enthaltsamkeit als „gutes Werk“ bewahrt mich vor der Hölle. Die Freiheit des Christenmenschen im Sinne Luthers eröffnet mir auch die Freiheit, Fastenmensch zu sein.

Was bleibt, ist die Frage nach dem Warum. Im Verzicht der Fastenzeit liegt „die Erinnerung daran, dass wir es nicht immer allein und selber am besten wissen, was gut für uns ist. Probehalber etwas anders zu machen – auch wenn es schwer fällt – kann die Entdeckung mit sich bringen, dass es anders besser sein könnte.“ So überzeugend einfach erklärt die Fastenaktion der evangelischen Kirche das Fasten.

Und der Glaube? Der ist im Allgemeinen trotz aller Debatten um Säkularisierung und Entchristlichung der Gesellschaft fest. Meine Überraschung am Karsamstag: Selbst die linke Wochenzeitung „der Freitag“ will die 10 Gebote weitgehend erhalten.

Gestärkt durch die Passionszeit erwarte ich voller Hoffnung die Osternacht.

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