Regulierungshelfer: elternprojekt.info

“Die Axt im Haus erspart den Zimmermann.” So dichtete bereits Friedrich Schiller. Glaubt man dem Wiktionary wird damit Selbständigkeit gelobt.

Peter Tauber, Historiker und Bundestagsabgeordneter, machte daraus: “Der Regulierer im eigenen Haus erspart das Gesetz”. Er stellte fest:

Es ist bezeichnend, dass viele Eltern nach der Politik rufen, um unliebsame Inhalte aus dem Internet zu verbannen. (…) Der Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen zu Hause geht den Staat aber nichts an. Hier sind die Eltern gefragt.

Kinder müssen die richtigen Kompetenzen im Umgang mit den neuen Medien erlernen. Aber was, wenn die Eltern sich selbst nicht so sicher sind? Wenn sie nicht wissen, wie das alles so funktioniert mit dem Internet und mit der neuen Technik? Wenn sie regulieren wollen, aber die Regeln nicht kennen? Angeblich stehen Erwachsene jeder technischen Innovation, die nach der eigenen Pubertät erfunden wurde, eher skeptisch gegenüber.

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Kürschnergate

Heute kam es in der Mittagszeit zu einer Flut von rund 200 Mails in meinem Posteingang, die nahezu an alle E-Mail-Postfächer im Bundestag (Fraktionen, Abgeordnete und Verwaltung) verschickt wurden.

Kürschnergate im Bundestag

Kürschnergate im Bundestag. Um dieses Buch ging es bei der ersten Rundmail. (Dank an @tokoo für das Foto.)

Auslöser dafür waren im Wesentlichen drei Mails:

  1. Eine Mitarbeiterin der Verwaltung machte mit einer Rundmail an alle (!) im Bundestag bestehenden Verteilerlisten darauf aufmerksam, dass eine Neuauflage des Kürschners Handbuch „Gesetzliche Grundlagen, Geschäftsordnung…“ erschienen sei. Dabei wurden diese Verteilerlisten nicht versteckt (BCC-Feld), sondern waren im AN-Feld der E-Mail deutlich sichtbar für jeden. Die Benutzung des BCC-Feldes wäre hier angeraten gewesen.
  2. Eine Mitarbeiterin, nennen wir sie Babette, des Wahlkreisbüros von Frau Kotting-Uhl (B90/Grüne) antwortete auf diese Mail mittels der „Alle antworten“-Funktion – in der Annahme, die Mail käme von ihren Berliner Kollegen.
  3. Nach 2 Stunden Ruhe verschickt das Büro von Sönke Rix (SPD) einen Link auf einen satirischen Ratgeber, um solche Mails zu vermeiden. Die Lawine kommt ins Rollen.

Eifrige Kollegen verstärken die Welle auf Twitter. Ein Kollege erfindet den Hashtag #kürschnergate. Journalisten beobachten inzwischen Twitter sehr aufmerksam, lerne ich wieder. Die Rhein-Zeitung und das ZDF sind ganz vorne dabei. @indiesemnetz bekommt sogar ein Zitat von Babette. Nach zwei Stunden und einem freundlichen Hinweis des IT-Referats ist alles wieder vorbei.

Ich gehe davon aus, dass dieser Vorfall dazu führt, dass jeder Mitarbeiter sich noch einmal bewusst macht, welche Auswirkungen es hat, wenn man Mails an sehr große Verteiler verschickt.

Wahrscheinlich bekomme ich zukünftig nur noch BCC-Mails von den Kollegen.

Ausgewählte Berichterstattung im Netz:

Ausgewählte Tweets zu #kürschnergate:

Update: Peter Tauber macht berechtigterweise darauf aufmerksam, dass 180 E-Mails am Tag in einem Abgeordnetenbüro nicht ungewöhnlich sind.

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