Euer Internet ist nur geborgt, titelte Sascha Lobo kurz vor der re:publica 12 und schrieb eine Selbstverständlichkeit auf, die, weil inzwischen offensichtlich wieder vergessen, jede(r) bitte einhundertmal an die Hauswand schreibt. So wie Brian »Romani ite domum« an die Fassade pinnen musste.
Facebook ist nicht das offene Internet. Google ist nicht DAS Internet. Und, ja liebe Twitteria und liebe Journalisten: Auch Twitter ist nur geborgtes Internet.
Twitter gehört nicht den 1 Milliarde Nutzern, die für 2013 erwartet werden, sondern Twitter Inc. aus San Francisco. Und diese Twitter Inc. muss und will Geld verdienen. Ein guter Ansatz, um in der Marktwirtschaft Geld zu verdienen, ist guter Service.
Einen solchen Service bot Twitter für die Parteitage von CDU und SPD in den vergangenen Tagen. Mit einer Eventpage werden relevante Tweets zu einem Ereignis präsentiert. Oder wie es bei Twitter heißt:
A combination of algorithms and curation will surface the most interesting Tweets to bring you closer to all of the action happening.
Dabei ist die Eventseite ein zusätzliches Angebot. Es werden keine Tweets zensiert oder gelöscht. Aber selbst wenn dies so wäre: Twitter ist nur geborgtes Internet (siehe oben).
Jeez. Eine Twitter-Event-Seite ist ein zusätzliches Angebot zu allen Tags. Sie ist kuratiert & kann dynamisch ergänzt werden. #spdbpt12
— teresa m. bücker (@fraeulein_tessa) Dezember 9, 2012
Die Mainpost hat recherchiert:
»Wie die Parteizentrale der CDU mitteilte, soll Twitter von sich aus das Angebot gemacht haben, eine Event-Page anzubieten, unentgeltlich und ohne Gegenleistung.«
Das nennt man in der Marktwirtschaft Werbung.
Andere Journalisten stellten fest:
@christophkappes Meine Tweets erscheinen z.B. nicht. Warum, wird nicht ersichtlich. Intransparent, übler Beigeschmack.
— Michael König (@michikoenig) Dezember 9, 2012
Oder zogen grandiose Schlüsse:
Ah, mein Tweet zur Twitterspende wird auf der Sonderseite zu #spdbpt12 nicht angezeigt – jemand filtert das also.
— Konrad Lischka (@klischka) Dezember 9, 2012
Wieder andere stellten Behauptungen auf, die nicht der Wahrheit entsprachen:
Lustig, keiner meiner Tweets auf der #spdbpt12 – Eventpage. Wird ganz schön was weggefiltert von @spdde
— Thorsten Denkler (@thodenk) Dezember 9, 2012
@thodenk war bei der SPD auf der Whitelist, d.h. alle seine Tweets kamen auf die Eventpage.
Steffen Voß stellt richtig fest: Wer Twitter nutzt, kann nicht der SPD und der CDU vorwerfen, dass Twitter ist, wie es ist.
Wie sagte der römische Legionär zu Brian: »Und wenn Du das bis Sonnenaufgang ….«
P.S. Ob jetzt der Algorithmus der Eventpages offengelegt werden muss, kann man diskutieren. Ich fordere vorbeugend Coca-Cola auf, sein Rezept zu veröffentlichen.
Update: Siehe auch Interwebz, wir müssen reden.
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