Bloggen könnte 2013 wichtiger werden

Macht kleine geile Blogs auf, schrieb Claus während der re:publica und wurde von Sascha Lobo geadelt. Der hatte nämlich vorher bei Spiegel online und auf der re:publica genau das gefordert.

Nun hat sich Johnny drüben bei Spreeblick selbst in den Allerwertesten getreten und will 2013 das Netz zurückerobern. »Twitter ist nicht das Internet« stellte ich neulich ebenfalls fest.

Alles richtig. Aber: Ein bisschen klingt das eben doch nach »früher«. Früher als man noch das eigene Blog füllte und nicht anderer Leute Timeline.

Ein eigener Webspace ist zwar besser als die Gedanken irgendwo bei Google+ reinzuschreiben. Das eigene Blog ist mehr »richtiges Internet« als bei facebook oder Google+, aber dennoch auch abhängig von einer privaten Infrastruktur, wenn auch brav nach deutschen Gesetzen. Dieses Blog liegt bei Hosteurope, weil ich es aus mehreren Gründen nicht auf meinen NAS hosten möchte. Und selbst wenn es da gehostet wäre, was wäre gewonnen? Internet kommt bei uns mit Kabel Deutschland ins Haus.

Von irgendetwas.wordpress.com bin ich weg, weil ich mehr Flexibilität haben wollte. Einfacher ist es dadurch jedoch nicht geworden.

#rp12-Stühle

#rp12-Stühle (re:publica 2012 on flickr CC BY 2.0)

Das Internet soll ein öffentlicher Raum sein, aber anders als der Pariser Platz in Berlin oder der Marktplatz vor dem Rathaus in meiner Geburtsstadt.

Matthias Richel schlussfolgert, wir bräuchten Public Space Server. Angesichts des Versagens der öffentlichen Hand beim Aufbau von Infrastruktur sehe ich das mit einiger Skepsis. Ob wir »dem Staat« diese Aufgabe zumuten sollten?

Genossenschaftliche Modelle haben stärker die Interessen der Allgemeinheit und die ihrer Mitglieder im Fokus. Wir kennen das von den Volksbanken oder aus dem Wohnungsbau. Subsidiaritätsprinzip nennen wir das. Gibt es das irgendwo funktionierend als Host- oder Zugangsprovider?

Neben dieser eher intellektuellen Debatte um den besten Platz und die ideale Infrastruktur für mein und Euer Geschriebenes scheint es mir wichtig daran zu erinnern, die ersten Aufgaben zu lösen:

  • Wie erreichen wir mehr Leser?
  • Wie können wir die »Blogger-Szene« in Deutschland professionalisieren?
  • Wie gelingt es, mehr Leute zum Bloggen zu bringen?

Im Moment schmoren wir im eigenen Saft, werden uns auf der re:publica13 wieder versichern wie toll wir sind. Doch gefühlte 99 Prozent der Menschen halten uns tendenziell für eher verrückte Nerds. Wenn sie denn überhaupt mal auf ein Blog gestoßen sind und anschließend wussten, wo sie sind.

Nicht, dass ich falsch verstanden werde: Die re:publica ist wichtig und ohne dieses Klassentreffen würde mir etwas fehlen. Wenn Du nicht von Dir selbst überzeugt bist, kannst Du auch andere nicht überzeugen.

Vermutlich könnte 2013 für Blogger wichtiger werden als 2012.

Meine Internet-Vorsätze für 2013:

  • Mehr Bloggen – um mich selbst zu motivieren, habe ich mich bei den Ironbloggern beworben.
  • Andere Blogger anstupsen, damit sie (wieder) mehr bloggen. Von Sina, Anja oder Lina würde ich gerne wieder etwas lesen. Aber auch Stecki, Stephan oder Sven könnten häufiger schreiben. Alle anderen auch.
  • Mehr Menschen überreden überzeugen, dass sie mit dem Bloggen beginnen. Der Claus hilft mir bestimmt dabei. Patty und Peter auch.
  • Ein neues Wort fürs Bloggen suchen. Bloggen klingt in den Ohren der KRS-Internetnutzer* zu nerdig, zu techniklastig. Wenn das nicht klappt: »Bloggen« einen neuen, positiveren Sinn geben.

Und einfacher und vernetzer muss es werden. Das schrieb Johnny auch.

*KRS-Nutzer: Konto, Reise, Spiegel online

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Netzgemüse lesen: Denn das Internet geht nicht mehr weg

Alles, was nach Deinem 35. Lebensjahr erfunden wird, richtet sich gegen die natürliche Ordnung der Dinge.

Mit diesem (im Buch ausführlicherem) Zitat von Douglas Adams beginnt das Buch »Netzgemüse«.

Die sogenannten »Neuen Medien« sind zwar nicht mehr so neu, dass sie guten Gewissens als »neu« zu bezeichnen wären. Aber aus meinem Engagement bei elternprojekt.info weiß ich, dass der Satz von Douglas Adams bestimmt für diejenigen Eltern gilt, die erst so um die 40 mit den »Neuen Medien« richtig Bekanntschaft machten. Das Internet, die Computerspiele und digitale Medien allgemein stören die natürliche Ordnung der Dinge. Hier: die gewohnte Ordnung der Familiendinge.

Freunde der Kinder »dringen« via Internet und mobilen Endgeräten in den Familienalltag, auch wenn sie nicht körperlich anwesend sind. Computerspiele sind faszinierender als die Brettspielklassiker Monopoly oder Risiko. Die freie Wikipedia wird für Hausaufgaben häufiger konsultiert als der teuer erworbene, bildungsbürgerliche Brockhaus.

Netzgemüse unterwegs

Netzgemüse unterwegs (Foto: Onion Driver in Saigon // Hanoi Mark on flickr CC BY-NC 2.0)

Diese – wahrscheinlich sogar ziemlich schlechten – Beispiele soll Ihnen klar machen, dass nach allen Prognosen das Internet nicht wieder weggeht. Auch wenn Prognosen, die die Zukunft betreffen, zugegebenermaßen als unsicher zu gelten haben. Hier bin ich mir sicher: Unsere Kinder und wir werden mit dem Internet und den digitalen Medien noch eine ganze Weile zu tun haben. Vermutlich länger als Ihnen im Moment noch lieb ist – Gründe siehe oben.

Jedem und jeder Elternteil mit Schulkindern empfehle ich daher das Buch von Tanja und Johnny Haeusler zur Lektüre. Sie kaufen ein Buch über das Internet, das bildet! Es ist hype- und hysteriefrei. Glauben Sie mir: Sie lernen unglaublich viel.

Im Kapitel Computerspiele habe ich viel Neues erfahren, bestimmt werden auch Sie mindestens einen persönlichen Aha-Moment erleben. Nach dem Lesen dieses Kapitels werden Sie Ihr Kind mit anderen Augen beim Spielen beobachten. Wenn Sie Ihrem Kind bislang noch nie länger beim Spielen am Computer zugesehen haben, werden Sie nach der Lektüre nicht unbedingt zum Minecraft-Experten, aber Sie werden besser verstehen, worin die Faszination dieses Spiels liegt. Vielleicht probieren Sie das Lieblingsspiel ihres Kindes auch selbst einmal aus.

In der veröffentlichten Meinung werden Computerspiele inzwischen nicht mehr durchweg verteufelt, sondern als Kulturgut betrachtet. Erinnern Sie sich an die Verleihung des Computerspielepreises an ein »Killerspiel«? Der Eklat war für die Generation Netzgemüse eher keiner.

Es macht wirklich Spass, dieses Buch zu lesen. Es nimmt Eltern die Angst vor dem Internet, vor dem Kontrollverlust und stärkt die Eltern-Kind-Beziehung. Wenn Sie diesen Text lesen, haben Sie übrigens schon einen Ratschlag des Buches beherzigt:

Die Antwort auf das Internet ist das Internet.

Unbedingte Kaufempfehlung! Gleich bestellen – im Internet: Netzgemüse: Aufzucht und Pflege der Generation Internet

P.S. Wenn Sie Douglas Adams noch nicht kennen sollten, empfehle ich Ihnen den Anhalter. Dort erhalten Sie nebenbei die Antwort auf die Frage aller Fragen.

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