Worüber soll ich heute bloggen?

Wartezimmer

Wartezimmer (Foto: mia! on flickr.com CC BY-NC-ND 2.0)

Nein, ich schreibe nicht über Sexismus, nicht über die FDP. Auch nicht über das gefühlt siebenundneunzigste Streitgespräch von gemeinhin unbekannten Piraten mit einem oder einer bekannten Gesprächspartner im gedruckten SPIEGEL. Diese Woche fällt das Schreiben darüber wegen der selbstgewählten Auflage aus dem ersten Satz schon aus.

Schreibe ich über Reisevorbereitungen? Über teilweise gepackte Koffer, aufgeregte jugendliche Kinder vor ihrem ersten Langstreckenflug? Nein, auch schlecht. Ich ärgere mich, dass bei Air Berlin auf Flügen in die USA keinen Webcheck-In möglich ist. Das reicht als Reisevorbereitung.

Ich schreibe auch nicht über eine Woche krank sein. Die letzte Woche verbrachte ich weitgehend liegend, hustend und mit den ekligsten Halsschmerzen seit …. es fällt mir nicht einmal ein passender journalistischer Vergleich ein. Was sagt man statt “dreimal so groß Saarland”, wenn es um Zeitabschnitte geht? Ah, ich hab’s: … “seit der Wiedervereinigung”.

Ein Blogtext über die Größe von Antibiotika-Tabletten könnte ich schreiben. Antibiotika müssen heutzutage offensichtlich immer noch die Größe haben, für die Alexander Fleming einst den Nobelpreis erhielt.

Oder über Berliner Infrastrukturprojekte: Bröckelnde Bahnhöfe, beispielsweise. Der Bahnhof Friedrichstraße wurde wegen herabfallender Betonbrocken in eine schlechte Kopie des Christo-verhüllten Reichstages transferiert. Immer bereit die nächste Massenpanik eher nicht aufzunehmen.

Es ist Sonntag. Über den nahenden Tatort schnell eine Meta-Schnellstkritik zusammenschreiben. Quellen: Die zahlreich vorhandenen Schnellkritiken des Qualitätsjournalismus und ein Griff ins Archiv. Könnte funktionieren. Mache ich aber auch nicht, sondern gucke ihn einfach.

Ratgeber sind in. Gerade am Sonntag. Elisabeth Binder antwortet im Tagesspiegel auf Seite 11 auf die Frage, ob ein Buchgeschenk ohne Plastikfolie besser und stilvoller verschenkt wird als mit. Die Antwort bleibt sie schuldig: “Die Plastikfolie ist kein Beweis dafür, dass es sich um ein korrektes Geschenk handelt. Ein Buch ist auch nicht vergiftet, wenn es schon einmal durchgeblättert wurde.” Welche Tipps erwartet ihr heute von mir?

Über Heino könnte ich schreiben. Dieses Album “Mit freundlichen Grüßen”, das vor wenigen Tagen erschien. Musste ich selbstverständlich kaufen, denn in meiner Kindheit war ich das Heino-Double par excellence. Sonnenbrille aufgesetzt, die gleichen blonde Haare hatte ich ohnehin und dann kurz vor der ZDF-Hitparade aus den Studios der Berliner Union-Film im heimischen Wohnzimmer “Blau blüht der Enzian” angestimmt. Ich schweife ab. Das Album gefällt mir. Junge, wie Du wieder aussiehst, Löcher in der Hose – das muss ich meinen Kindern nicht sagen. Heino singt es dennoch überzeugend. Auch über das Album will ich nichts längeres schreiben.

Guido Knopp und der Rundfunkbeitrag blieben noch. Das Guido Knopp rechtzeitig zum 80. Jahrestag der Machtergreifung in den Ruhestand geht, muss doch auch einer dieser Zufälle im Leben sein, die einem zehn Jahre später keiner mehr glaubt. Der Stoff aus dem Legenden gestrickt werden. Den neue Rundfunkbeitrag zahle ich übrigens gerne, wenn Katrin Sass häufiger zu sehen ist.

Ich wünsche Euch eine angenehme Woche. Viel Spaß – und ich hoffe, dass die Debatte sich um andere Themen dreht, wenn ich wieder da bin. Ich bin dann mal weg, ab morgen.

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